Bilanzfehler, zwei laufende BaFin-Prüfungen und ein Führungsvakuum – Gerresheimer steckt in der tiefsten Unternehmenskrise seit Jahren. Entscheidend wird, ob das Management bis zum 31. März 2026 einen testierten Jahresabschluss vorlegen kann.
Regulatorischer Druck auf zwei Fronten
Ende Februar weitete die Finanzaufsicht ihren Druck auf den Düsseldorfer Pharmaverpackungsspezialisten aus. Neben der laufenden Prüfung des Konzernabschlusses 2024 startete die BaFin eine zweite Untersuchung – diesmal zum Halbjahresbericht 2025. Im Fokus stehen sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen, bei denen Umsätze bereits vor tatsächlicher Warenauslieferung verbucht werden.
Hinzu kommen konkrete Anhaltspunkte für Fehler im Abschluss 2023/24: potenziell falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro sowie aktivierte Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro. Das Unternehmen räumt ein, dass einzelne Mitarbeitende interne Vorgaben und Bilanzierungsregeln verletzt haben sollen. Eine zweite Prüfungsgesellschaft untersucht nun die Umsatzrealisierung und Bilanzierung der Geschäftsjahre 2024 und 2025.
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Operative Erosion trifft eine bereits geschwächte Bilanz
Die Bilanzprobleme treffen ein Unternehmen, das ohnehin unter operativem Druck steht. Für 2025 erwartet Gerresheimer einen Umsatzrückgang am schwächeren Ende der bisherigen Spanne von minus 4 bis minus 2 Prozent. Die bereinigte EBITDA-Marge wurde auf 16,5 bis 17,5 Prozent gesenkt – nach zuvor 18,5 bis 19,0 Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie könnte sogar negativ ausfallen. Zusätzlich belasten Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro, unter anderem bei der Tochter Sensile Medical und am US-Standort in Chicago.
Um die Bilanz zu entlasten, will das Management die US-Tochter Centor verkaufen – ein profitabler Hersteller von Verpackungssystemen für verschreibungspflichtige Medikamente. Morgan Stanley soll den Prozess noch 2026 begleiten. Das Problem: Centor ist überdurchschnittlich profitabel, ein Verkauf würde die ohnehin gesunkene Margenstruktur weiter belasten. Das geplante Moulded-Glass-Geschäft bleibt dagegen im Konzern – der Standort Chicago Heights soll Ende 2026 geschlossen werden.
Auch die Führungsebene befindet sich im Umbruch. CEO Dietmar Siemssen schied Ende Oktober aus, CFO Bernd Metzner folgte kurz darauf. Seither führt Uwe Röhrhoff das Unternehmen kommissarisch, Wolf Lehmann hat die CFO-Rolle übernommen.
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Was der 31. März entscheidet
Die Aktie hat die Krise tief in den Kursen verankert: Ausgehend vom 52-Wochen-Hoch bei 82 Euro – damals angeheizt durch Übernahmespekulationen, die sich im Sommer 2025 zerschlugen – fiel der Kurs bis Ende Februar auf ein 10-Jahres-Tief. Inzwischen liegt er rund 43 Prozent unterhalb des 200-Tage-Durchschnitts, der RSI notiert mit 17,7 im stark überverkauften Bereich.
Trotz alledem meldete der CastleKnight Master Fund LP Anfang März eine Stimmrechtsbeteiligung von 4,08 Prozent – datiert auf den 11. Februar 2026. Das deutet darauf hin, dass zumindest einzelne Investoren in der aktuellen Situation eine Turnaround-Chance sehen. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz prüft derweil Schadenersatzansprüche.
Für 2026 stellt Gerresheimer einen Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent in Aussicht. Ob diese Ziele glaubwürdig werden, hängt maßgeblich am testierten Jahresabschluss bis zum 31. März. Gelingt die fristgerechte Vorlage mit nachvollziehbaren Korrekturen, könnte das einen Teil der Unsicherheit abbauen. Verzögert sich die Veröffentlichung erneut, dürfte der Markt den Titel in der Nähe seiner Mehrjahrestiefs halten – auch mit Blick auf das Q1-Trading-Update am 16. April und die Hauptversammlung am 3. Juni 2026.
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