Die Situation beim Düsseldorfer Spezialverpackungshersteller spitzt sich dramatisch zu. Gestern Abend musste das Unternehmen eingestehen, dass die ursprünglich für den 26. Februar angekündigten Geschäftszahlen verschoben werden müssen – bereits der zweite Aufschub innerhalb weniger Monate. Die Aktie brach im frühen Handel zweistellig ein.
Mitarbeiter verstießen gegen IFRS-Regeln
Der Grund für die erneute Verzögerung: Eine laufende Untersuchung durch eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft benötigt mehr Zeit. Nach bisherigen Erkenntnissen haben einzelne Mitarbeitende gegen interne Richtlinien und die internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS verstoßen. Die Probleme betreffen vor allem die Erfassung von Umsatzerlösen sowie die Bilanzierung und Bewertung von Vorräten. Gerresheimer hat nach eigenen Angaben bereits erste personelle und organisatorische Konsequenzen gezogen.
Die finanziellen Dimensionen sind erheblich: Für das Geschäftsjahr 2024 erwartet der Konzern einen zusätzlichen Korrekturbedarf von rund 17 Millionen Euro bei den Umsatzerlösen. Beim bereinigten EBITDA müssen voraussichtlich 19 Millionen Euro nach unten korrigiert werden – darunter etwa 4 Millionen Euro aus der Bewertung von Vorräten. Zusammen mit den bereits im Herbst 2025 angekündigten Korrekturen bei Bill-and-Hold-Vereinbarungen summiert sich der Gesamtkorrekturbedarf für 2024 auf 35 Millionen Euro bei den Umsätzen und 24 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Gerresheimer?
Prognose drastisch gesenkt
Die Auswirkungen auf die laufende Geschäftsentwicklung sind gravierend. Die im Oktober 2025 aktualisierte Prognose für das Geschäftsjahr 2025 muss massiv nach unten korrigiert werden. Der Umsatzrückgang wird voraussichtlich am oberen Ende der bisherigen Spanne von minus 4 bis minus 2 Prozent liegen – oder sogar leicht darüber.
Noch schmerzhafter: Die bereinigte EBITDA-Marge soll nur noch zwischen 16,5 und 17,5 Prozent erreichen, deutlich unter der ursprünglichen Prognose von 18,5 bis 19,0 Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie wird im hohen zweistelligen Prozentbereich zurückgehen und könnte sogar negativ werden – zuvor war nur ein Rückgang im mittleren zweistelligen Bereich erwartet worden.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Gerresheimer?
Hinzu kommen nicht-zahlungswirksame Wertminderungen zwischen 220 und 240 Millionen Euro. Diese betreffen hauptsächlich Technologie- und Entwicklungsprojekte der Tochter Sensile Medical sowie Vermögenswerte des Moulded-Glass-Werks in Chicago Heights, das Ende des Geschäftsjahres 2026 geschlossen wird.
Verkäufe zur Kapitalstärkung
Um die Kapital- und Finanzierungsstruktur zu optimieren, hat Gerresheimer den Verkauf der hundertprozentigen US-Tochter Centor eingeleitet. Der Deal soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Die geplante Separierung und der Verkauf des Moulded-Glass-Geschäfts werden hingegen nicht wie ursprünglich im Geschäftsjahr 2026 starten, sondern zu einem späteren Zeitpunkt.
Für das Geschäftsjahr 2026 stellt das Management – trotz eines voraussichtlich schwächeren ersten Halbjahres – Umsätze zwischen 2,3 und 2,4 Milliarden Euro in Aussicht. Die bereinigte EBITDA-Marge soll bei 18 bis 19 Prozent liegen, der Free Cashflow moderat positiv ausfallen. Diese Zahlen gelten vor möglichen M&A-Aktivitäten. Ob Anleger diesen Prognosen nach den jüngsten Enttäuschungen noch vertrauen, bleibt abzuwarten.
Gerresheimer-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Gerresheimer-Analyse vom 11. Februar liefert die Antwort:
Die neusten Gerresheimer-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Gerresheimer-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 11. Februar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Gerresheimer: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

