Zwei parallele BaFin-Verfahren, Milliarden-Abschreibungen und ein Kurseinbruch von 80 Prozent seit dem Jahreshoch – der Pharmaverpackungsspezialist aus Düsseldorf steckt in der schwersten Krise seiner jüngeren Geschichte. Bis Ende März muss der verschobene Jahresabschluss vorliegen. Die Zeit wird knapp.
Doppelte BaFin-Prüfung verschärft die Lage
Die Finanzaufsicht hat Ende Februar den Druck massiv erhöht. Neben der laufenden Untersuchung zum Konzernabschluss 2024 startete die BaFin eine zweite Prüfung des Halbjahresberichts 2025. Im Fokus stehen sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen – eine Abrechnungspraxis, bei der Umsätze vor tatsächlicher Warenauslieferung verbucht werden.
Die Aufseher fanden „konkrete Anhaltspunkte“ für weitere Fehler im Abschluss 2023/24. Unter Verdacht stehen falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro und aktivierte Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro.
Ursprünglich für den 26. Februar geplant, wurde die Veröffentlichung der Jahresergebnisse auf spätestens 31. März verschoben. Gleichzeitig vollzog sich ein kompletter Führungswechsel: Nach dem Abgang von CEO Dietmar Siemssen Ende Oktober und CFO Bernd Metzner übernahm Wolf Lehmann die Finanzführung. Uwe Röhrhoff fungiert seitdem als Interims-Chef.
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Prognosen drastisch gesenkt
Die finanziellen Folgen wiegen schwer. Für 2025 rechnet Gerresheimer nun mit einem Umsatzrückgang am unteren Ende der Prognosespanne von minus 4 bis minus 2 Prozent. Die EBITDA-Marge wurde von 18,5 bis 19,0 Prozent auf 16,5 bis 17,5 Prozent gekappt. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll im hohen zweistelligen Prozentbereich sinken und könnte ins Negative drehen.
Hinzu kommen Wertminderungen zwischen 220 und 240 Millionen Euro, vor allem bei der Schweizer Tochter Sensile Medical und dem US-Standort Gerresheimer Moulded Glass Chicago.
Verkauf und Schließung zur Stabilisierung
Um die Bilanz zu entlasten, setzt das Management auf Portfoliobereinigung. Die US-Tochter Centor, die hochmargige Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente herstellt, steht zum Verkauf. Morgan Stanley soll den Prozess noch 2026 abschließen. Allerdings würde ein Verkauf die ohnehin angeschlagene Margenstruktur weiter belasten, da Centor überdurchschnittlich profitabel ist.
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Den ursprünglich geplanten Verkauf des Moulded-Glass-Geschäfts hat das Management gestoppt. Stattdessen soll das Werk in Chicago Heights Ende 2026 schließen.
CastleKnight steigt ein
Trotz der Turbulenzen meldete am 3. März der CastleKnight Master Fund LP eine Beteiligung von 4,08 Prozent, wobei die Schwellenberührung auf den 11. Februar datiert. Offenbar sieht der Investor Potenzial in einem Turnaround-Szenario. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz prüft derweil Schadenersatzansprüche und fordert betroffene Anleger auf, sich zu melden.
Ausblick 2026: Erste Bewährungsprobe am 31. März
Für das laufende Jahr peilt Gerresheimer einen Umsatz zwischen 2,3 und 2,4 Milliarden Euro an – vor etwaigen Portfoliobereinigungen. Die bereinigte EBITDA-Marge soll sich auf 18 bis 19 Prozent erholen. Der freie Cashflow soll moderat positiv ausfallen, trotz eines schwächeren ersten Halbjahres.
Die kommenden Wochen werden entscheidend. Am 31. März muss der Jahresbericht vorliegen, am 16. April folgt ein Q1-Handelsbericht. Die Hauptversammlung ist für den 3. Juni angesetzt. Gelingt die fristgerechte Vorlage mit nachvollziehbaren Korrekturen, könnte ein Teil der Unsicherheit weichen. Bei weiteren Verzögerungen dürfte die Aktie angesichts des schwachen Chartbilds unter Druck bleiben.
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