Der Bilanzskandal hat Gerresheimer tief in die Krise gezogen — und trotzdem kaufen institutionelle Investoren. Während der Kurs in den vergangenen zwölf Monaten rund 68 Prozent verloren hat, melden der CastleKnight Master Fund und Deka Investment neue Beteiligungen. Eine bemerkenswerte Wette auf eine Erholung, die noch alles andere als sicher ist.
Berichterstattung eingefroren, Kreditlinien unter Druck
Der Kern des Problems ist eine blockierte Bilanz. Die BaFin hatte im September 2025 eine Sonderprüfung eingeleitet und deren Umfang Anfang März 2026 ausgeweitet. Im Mittelpunkt stehen fehlerhafte „Bill-and-Hold“-Vereinbarungen im Jahresabschluss 2024 — Waren wurden in Rechnung gestellt, aber erst später geliefert, ein klarer Verstoß gegen IFRS-Regeln. Der Buchungsfehler belief sich auf 35 Millionen Euro. Wirtschaftsprüfer Grant Thornton untersucht nun zusätzlich mögliche Fehler bei der Leasingbilanzierung und unterlassene Wertminderungen.
Weil der testierte Jahresabschluss 2025 fehlt, hat Gerresheimer vertraglich zugesicherte Reporting-Pflichten verletzt. Das Unternehmen befindet sich damit in technischem Verzug und verhandelt mit Kreditgebern über Fristverlängerungen. Q1-Bericht und Hauptversammlung sind auf unbestimmte Zeit verschoben. Für den ausstehenden Konzernabschluss 2025 erwartet das Unternehmen Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro, überwiegend aus Technologieprojekten der Sensile Medical AG und US-Vermögenswerten.
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Die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS hat zudem ein berufsrechtliches Verfahren gegen KPMG eingeleitet — der bisherige Prüfer hatte den fehlerhaften Abschluss 2024 uneingeschränkt testiert.
Centor-Verkauf und Schadensersatzklagen
Operativ reagiert das Management mit Einschnitten. Die US-Medikamentenverpackungssparte Centor, zuletzt mit 292 Millionen Euro bilanziert, steht über Morgan Stanley zum Verkauf. Das Werk in Chicago Heights soll bis Ende 2026 geschlossen werden; der Betrieb verlagert sich in Werke in Italien und Indien.
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Parallel prüft der Deutsche Schutzverein für Wertpapierbesitz (DSW) Schadensersatzansprüche gegen den ehemaligen CEO Dietmar Siemssen, Ex-CFO Bernd Metzner sowie den Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats. Der SDAX-Ausschluss am 10. April 2026 verstärkte den Druck zusätzlich: Indexgebundene Fonds müssen ihre Positionen zwangsweise abbauen.
Ein mögliches Übernahmeszenario durch den US-Wettbewerber Silgan Holdings — Reuters hatte ein erwogenes Angebot von 41 Euro je Aktie berichtet — bleibt ohne testierte Abschlüsse weiterhin blockiert.
Juni als einziges Zeitfenster
Die Umsatzprognose von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro für 2026 steht explizit unter dem Vorbehalt gesicherter Kreditlinien und eines positiven BaFin-Ausgangs. Alle Erholungspfade laufen auf einen Termin hinaus: Im Juni 2026 muss Gerresheimer den testierten Jahresabschluss vorlegen. Gelingt das, folgt der nächste Meilenstein am 14. Juli 2026 mit dem Halbjahresbericht. Scheitert die Frist erneut, dürfte der Spielraum für Verhandlungen mit den Kreditgebern erheblich enger werden.
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