Der Verpackungsspezialist hat seinen Platz im SDAX endgültig verloren. Am Freitag trat der außerplanmäßige Ausschluss durch die Deutsche Börse in Kraft, da das Unternehmen seinen testierten Jahresabschluss nicht fristgerecht vorlegen konnte. Das Index-Aus markiert jedoch nur den vorläufigen Höhepunkt einer tiefgreifenden Unternehmenskrise, die nun auch Kreditlinien und Wirtschaftsprüfer erfasst.
Den freigewordenen Platz im Nebenwerteindex hat zum 10. April die Shelly Group eingenommen. Für Gerresheimer bedeutet dieser Schritt einen erheblichen Verlust an institutioneller Sichtbarkeit. SDAX-ETFs sind nun gezwungen, ihre Positionen umzuschichten, was die passive Nachfrage nach dem Titel weiter reduziert. Anleger hatten diese Entwicklung bereits antizipiert. Auf Jahressicht verzeichnet das Papier bereits einen massiven Wertverlust von über 68 Prozent, weshalb die eigentliche Vollzugsmeldung kaum noch für unmittelbaren Verkaufsdruck sorgte.
Ermittlungen gegen KPMG
Die Ursache für das Terminchaos liegt in der fortlaufenden Aufarbeitung systematischer Bilanzierungsfehler. Eine unabhängige Untersuchung deckte auf, dass Gerresheimer Umsätze aus sogenannten Bill-and-Hold-Vereinbarungen zu früh verbuchte. Dies erfordert Korrekturen von rund 35 Millionen Euro beim Umsatz und 24 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA.
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Die Affäre weitet sich nun auf den Abschlussprüfer aus: Die Aufsichtsstelle APAS hat ein berufsrechtliches Verfahren gegen KPMG eingeleitet. Die Prüfer hatten den fehlerhaften Jahresabschluss 2024 uneingeschränkt testiert, kurz nachdem sie das Mandat von Deloitte übernommen hatten. Parallel bereitet der Aktionärsschutzverband DSW Schadensersatzklagen gegen das ehemalige Management vor, darunter Ex-Vorstandschef Dietmar Siemssen.
Kredite im technischen Verzug
Der fehlende Jahresabschluss für 2025 lähmt den gesamten Berichtskalender. Sowohl der Bericht zum ersten Quartal 2026 als auch die Hauptversammlung sind auf unbestimmte Zeit verschoben. Durch diese Verletzung vertraglicher Meldepflichten befindet sich der Konzern in einem technischen Verzug. Das Management verhandelt derzeit intensiv mit den Kreditgebern über Fristverlängerungen, um eine Kündigung der Kreditlinien abzuwenden.
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Um finanziellen Spielraum zu schaffen, steht die US-Sparte Centor mit einem Buchwert von 292 Millionen Euro über Morgan Stanley zum Verkauf. Begleitend schließt der Konzern bis Ende 2026 sein Werk in Chicago Heights.
Fokus auf den Juni
Der nächste entscheidende Stichtag ist der anvisierte Juni 2026. Bis dahin plant Gerresheimer, den testierten Jahresabschluss für 2025 nachzureichen. Gelingt dies nicht, wackeln auch die Termine für den Halbjahresbericht im Juli sowie das Q3-Statement im Oktober. Zudem steht die ausgegebene Umsatzprognose von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro für das laufende Jahr unter dem expliziten Vorbehalt, dass die Kreditverhandlungen und die laufenden BaFin-Untersuchungen zu einem tragfähigen Ergebnis führen. Bis zur Vorlage belastbarer Zahlen bleiben auch mögliche Übernahmeszenarien durch externe Investoren vollständig blockiert.
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