Gerresheimer Aktie: Komplikationen gefunden

Der Pharmazulieferant Gerresheimer kämpft mit verschobenem Jahresabschluss, BaFin-Prüfungen und massiven Abschreibungen. Der drohende Indexausschluss erhöht den Druck auf die Aktie.

Gerresheimer Aktie
Kurz & knapp:
  • Zwei laufende Untersuchungen der Finanzaufsicht
  • Wertminderungen von bis zu 240 Millionen Euro
  • Verkauf der profitablen US-Tochter Centor geplant
  • Aktie verlor bereits 78 Prozent vom Höchststand

Verschobener Jahresabschluss, zwei laufende BaFin-Untersuchungen, drohender SDAX-Rauswurf — bei Gerresheimer verdichten sich die Krisenzeichen. Was Ende 2025 als eingeräumter Bilanzierungsfehler begann, hat sich zu einer ausgewachsenen Governance-Krise entwickelt.

Fehler in den Büchern, Prüfer unter Hochdruck

Der Ursprung liegt in einer simplen, aber gravierenden Praxis: Mitarbeiter hatten Umsätze verbucht, bevor die Ware überhaupt ausgeliefert war — ein klarer Verstoß gegen Bilanzierungsvorschriften. Eine zweite externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft untersucht seither Geschäftsvorgänge der Jahre 2024 und 2025. Diese Sonderuntersuchung dauert länger als erwartet und blockiert die Erstellung des Jahresabschlusses 2025, der nun erst im Juni 2026 vorliegen soll — statt wie ursprünglich Ende März.

Die BaFin hat ihre Prüfungen inzwischen erheblich ausgeweitet. Neben dem Geschäftsbericht 2023/24 nimmt die Finanzaufsicht nun auch den Zeitraum von Dezember 2024 bis Mai 2025 unter die Lupe — und zwar nicht nur wegen der Umsatzrealisierung, sondern auch wegen möglicherweise falsch ausgewiesener Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro und aktivierter Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Gerresheimer?

Abschreibungen, Margeneinbruch, Centor-Verkauf

Die finanziellen Folgen sind erheblich. Gerresheimer erwartet Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro für das Jahr 2025 — ausgelöst vor allem durch Entwicklungen bei der Schweizer Tochter Sensile Medical und dem US-Werk Gerresheimer Moulded Glass Chicago. Die bereinigte EBITDA-Marge dürfte auf 16,5 bis 17,5 Prozent sinken, nach zuvor angepeilten 18,5 bis 19,0 Prozent. Beim bereinigten Ergebnis je Aktie droht ein Rückgang im hohen zweistelligen Prozentbereich — ein Verlust ist ebenfalls möglich.

Um Liquidität zu schaffen, will Gerresheimer seine US-Tochter Centor noch in diesem Jahr verkaufen und hat Morgan Stanley mit dem Prozess beauftragt. Das Problem dabei: Centor gilt als margenstarkes Geschäft. Der Verkauf könnte die ohnehin geschwächte Ertragskraft des Konzerns weiter belasten.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Gerresheimer?

Terminkalender in Trümmern, SDAX-Rauswurf droht

Der gesamte Finanzkalender ist in Unordnung geraten. Die Quartalsmitteilung für Q1 2026, ursprünglich für den 16. April angesetzt, wird verschoben. Die Hauptversammlung vom 3. Juni 2026 kann ebenfalls nicht wie geplant stattfinden. Parallel führt Gerresheimer Gespräche mit seinen Kreditgebern über eine Verlängerung der Fristen zur Vorlage des testierten Abschlusses.

Das Unternehmen rechnet selbst damit, aus dem SDAX ausgeschlossen zu werden. Indexfonds, die den SDAX abbilden, müssten bei einem Rauswurf ihre Positionen auflösen — zusätzlicher Verkaufsdruck auf eine Aktie, die seit ihrem 52-Wochen-Hoch von 80,55 Euro im März 2025 bereits rund 78 Prozent verloren hat. Ein bekannter Hedgefonds erhöhte seine Shortposition am 11. März auf 0,62 Prozent des Aktienkapitals — ein Zeichen dafür, dass das Misstrauen am Markt wächst.

Der nächste konkrete Meilenstein ist die Vorlage des testierten Jahresabschlusses im Juni 2026. Bis dahin hängt die Lage von drei Faktoren ab: dem Ausgang der BaFin-Prüfungen, dem Ergebnis der Bankverhandlungen — und der Frage, ob der operative Betrieb trotz allem stabil bleibt.

Gerresheimer-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Gerresheimer-Analyse vom 15. März liefert die Antwort:

Die neusten Gerresheimer-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Gerresheimer-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 15. März erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Gerresheimer: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Gerresheimer

Gerresheimer Jahresrendite