Der Bilanzskandal bei Gerresheimer zieht immer weitere Kreise. Nachdem die BaFin bereits seit September 2025 den Konzernabschluss unter die Lupe nimmt, gerät nun auch Abschlussprüfer KPMG unter regulatorischen Druck — und Aktionärsschützer bereiten Klagen gegen die Ex-Führungsriege vor.
Prüfer testierte fehlerhafte Zahlen
Die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS hat ein berufsrechtliches Verfahren gegen KPMG eingeleitet. Der Vorwurf ist konkret: KPMG erteilte dem Jahresabschluss 2024 ein uneingeschränktes Testat, obwohl sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen vorlagen — Waren wurden also in Rechnung gestellt, aber erst später ausgeliefert, ein klarer Verstoß gegen IFRS-Rechnungslegungsstandards. Die fehlerhaften Buchungen belaufen sich auf 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen Euro bereinigtes EBITDA.
Besonders pikant: KPMG hatte erst 2024 den bisherigen Prüfer Deloitte abgelöst und beglaubigte unmittelbar danach einen fehlerbehafteten Abschluss.
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Die BaFin weitet ihre Prüfung zusätzlich auf den Halbjahresbericht 2025 aus. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob eine Wertminderung von 196,5 Millionen Euro im Segment Advanced Technologies früher hätte gebucht werden müssen. Parallel prüft der Aktionärsschutzverband DSW auf Basis eines Gutachtens Schadensersatzansprüche gegen Ex-CEO Dietmar Siemssen und Ex-CFO Bernd Metzner.
Berichtsrhythmus eingefroren, Kredit unter Druck
Der fehlende testierte Abschluss hat den gesamten Finanzkalender des Unternehmens lahmgelegt. Q1-Quartalsbericht und Hauptversammlung stehen ohne festes Datum, der Jahresabschluss 2025 ist auf voraussichtlich Juni 2026 verschoben.
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Weil Gerresheimer vertraglich zugesicherte Reporting-Pflichten verletzt hat, befindet sich das Unternehmen in technischem Verzug. Das Management verhandelt derzeit mit Kreditgebern über Fristverlängerungen, um eine Kündigung der Kreditlinien abzuwenden. Parallel steht die US-Sparte Centor, zuletzt mit 292 Millionen Euro bewertet, über Morgan Stanley zum Verkauf — begleitet von der Schließung des Werks in Chicago Heights bis Ende 2026.
Erste institutionelle Investoren sehen in dem Kursverfall offenbar eine Einstiegsgelegenheit: Der CastleKnight Master Fund und die Deka Investment meldeten neue Beteiligungen auf dem gedrückten Niveau. Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund 38 Prozent verloren.
Juni als Wendepunkt
Gerreheimers Umsatzprognose von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro für 2026 ist explizit an den Ausgang der Kreditverhandlungen und der BaFin-Ermittlungen geknüpft. Der für Juni 2026 angestrebte testierte Jahresabschluss ist das dringlichste Datum: Gelingt es dem Management, saubere Zahlen vorzulegen und gleichzeitig die Finanzierung zu sichern, könnte das die Basis für eine Stabilisierung legen. Scheitert dieser Schritt, droht eine weitere Eskalation — sowohl regulatorisch als auch an den Kreditmärkten. Der Halbjahresbericht am 14. Juli 2026 wäre dann der nächste Gradmesser.
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