Gerresheimer kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig. Die Ad-hoc-Meldung vom 10. März 2026 machte es offiziell: Der testierte Jahresabschluss für 2025 wird nicht vor Ende März vorliegen — und zieht nun eine Kettenreaktion nach sich, die weit über eine bloße Fristverschiebung hinausgeht.
Sonderprüfung weitet sich aus
Auslöser der Misere sind Bilanzierungsfehler, die sich als tiefer erweisen als zunächst bekannt. Eine unabhängige Anwaltskanzlei stellte fest, dass Umsätze aus sogenannten Bill-and-Hold-Vereinbarungen systematisch zu früh erfasst wurden — ein klarer Verstoß gegen IFRS-Vorschriften. Nun prüft zusätzlich zu KPMG auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton die Abschlüsse der Jahre 2024 und 2025. Die Prüfung dauert länger als erwartet; Gerresheimer strebt eine Veröffentlichung des testierten Abschlusses für Juni 2026 an.
Die BaFin hat zwei parallele Verfahren eingeleitet. Im Fokus stehen möglicherweise falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro, aktivierte Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro sowie die Frage, ob das Liquiditätsrisiko im Halbjahresbericht 2025 rund um die Bormioli-Pharma-Übernahme angemessen dargestellt wurde. Die Aufsicht sieht Anhaltspunkte, dass die dortige Einstufung als „gering“ nicht mehr der Realität entsprach.
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Kreditgespräche, SDAX-Ausschluss, Verkaufsdruck
Die fehlende Bilanz hat unmittelbare Folgen für die Finanzierungsstruktur. Gerresheimer verhandelt mit seinen Kreditgebern über eine Verlängerung der vertraglich festgelegten Vorlagepflichten. Ob und zu welchen Bedingungen die Banken zustimmen, ist offen. Hinweise auf akute Liquiditätsprobleme oder bereits eingetretene Covenant-Brüche enthält die Ad-hoc-Meldung nicht — das Risiko steht jedoch auf der Agenda.
Formal kostet die Fristversäumnis den Konzern seinen Platz im SDAX. Gerresheimer rechnet selbst mit dem Ausschluss aus dem Nebenwerteindex, da die Transparenzanforderungen der Deutschen Börse verletzt wurden. Für Indexfonds bedeutet das erzwungene Umschichtungen und damit zusätzlichen Verkaufsdruck auf die Aktie, die seit ihrem 52-Wochen-Hoch bei 80,55 Euro fast 78 Prozent an Wert verloren hat. Auch die Q1-Mitteilung (ursprünglich 16. April 2026) und die Hauptversammlung (ursprünglich 3. Juni 2026) wurden verschoben; neue Termine stehen noch aus.
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Management stabilisiert, Investoren positionieren sich neu
Parallel versucht das Management, die Bilanz zu entlasten. Der Verkauf der US-Tochter Centor Inc. — spezialisiert auf Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente — soll noch vor Jahresende abgeschlossen werden; Morgan Stanley ist bereits als Berater mandatiert. Zudem erwartet Gerresheimer nicht-zahlungswirksame Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro, hauptsächlich auf Technologie- und Entwicklungsprojekte der Sensile Medical AG sowie auf Vermögenswerte des Moulded-Glass-Werks in Chicago Heights, das Ende 2026 geschlossen wird. Für das laufende Geschäftsjahr 2026 stellt das Unternehmen einen Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent in Aussicht.
Das Bild auf der Aktionärsseite ist gespalten: Die DSW prüft Schadensersatzansprüche gegen ehemalige Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder, während der CastleKnight Master Fund und die Deka Investment auf dem gedrückten Kursniveau neue Beteiligungen angemeldet haben. Ein Hedgefonds erhöhte seine Short-Position am 11. März 2026 auf 0,62 Prozent des Aktienkapitals.
Bis zur Vorlage des testierten Jahresabschlusses im Juni 2026 bleiben die offenen BaFin-Verfahren und der Ausgang der Kreditgespräche die bestimmenden Faktoren. Wer auf eine Neubewertung setzt, braucht bis dahin vor allem eines: Geduld.
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