Die Bilanzprobleme bei Gerresheimer ziehen immer weitere Kreise. Nun ermittelt auch die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS gegen KPMG — und das Unternehmen verhandelt mit Kreditgebern, um einen technischen Verzug abzuwenden.
APAS nimmt KPMG ins Visier
Der Vorwurf gegen die Wirtschaftsprüfer wiegt schwer: KPMG hatte den Jahresabschluss 2024 uneingeschränkt testiert, obwohl systematische Bilanzierungsfehler bei sogenannten „Bill-and-Hold“-Vereinbarungen vorlagen. Besonders brisant: KPMG hatte erst 2024 den bisherigen Prüfer Deloitte abgelöst und beglaubigte unmittelbar danach einen fehlerhaften Abschluss. Eine zweite Gesellschaft, Grant Thornton, prüft die Bücher nun separat für die Jahre 2024 und 2025.
Gleichzeitig erhöht der Aktionärsschutzverband DSW den juristischen Druck. Er prüft Schadensersatzansprüche gegen Ex-Vorstandschef Dietmar Siemssen und Ex-Finanzvorstand Bernd Metzner — und richtet den Blick auch auf den Aufsichtsrat. DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler verwies auf die ausgeweitete BaFin-Prüfung und machte deutlich, dass bei hinreichend klaren Ansprüchen ein Prozessfinanzierer ins Spiel kommen könnte.
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Berichtskalender eingefroren, Kredit unter Druck
Die Folgen der Bilanzprobleme lähmen den gesamten Unternehmensrhythmus. Der testierte Jahresabschluss 2025 ist auf voraussichtlich Juni 2026 verschoben, der Q1-Bericht 2026 und die ordentliche Hauptversammlung liegen auf unbestimmte Zeit auf Eis. Weil Gerresheimer vertraglich zugesicherte Reporting-Pflichten verletzt hat, befindet sich das Unternehmen in technischem Verzug — das Management verhandelt derzeit mit Kreditgebern über Fristverlängerungen.
Auch ein mögliches Übernahmeangebot des US-Konzerns Silgan Holdings, der Reuters zufolge eine Offerte von 41 Euro je Aktie erwogen haben soll, bleibt so lange blockiert.
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Centor-Verkauf soll Liquidität sichern
Um den Druck auf die Kreditlinien zu mindern, greift das Management zu strukturellen Maßnahmen. Die US-Medikamentenverpackungssparte Centor steht über Morgan Stanley zum Verkauf — zuletzt mit 292 Millionen Euro in den Büchern. Begleitend schließt Gerresheimer bis Ende 2026 sein Werk in Chicago Heights. Für das Geschäftsjahr 2025 erwartet das Unternehmen nicht-zahlungswirksame Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro, primär aus Abschreibungen auf Technologieprojekte der Sensile Medical AG und US-Vermögenswerte.
Trotz alledem signalisieren erste institutionelle Investoren Vertrauen: CastleKnight und Deka nutzen das gedrückte Kursniveau — die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 67 Prozent verloren — für Neueinstiege und positionieren sich damit gegen weiterhin aktive Leerverkäufer.
Juni als kritischer Meilenstein
Die vom Management ausgegebene Umsatzprognose von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro für 2026 steht explizit unter dem Vorbehalt gesicherter Kreditlinien und des Ausgangs der BaFin-Ermittlungen. Im Juni muss Gerresheimer den testierten Jahresabschluss vorlegen — und gleichzeitig beweisen, dass die Finanzierung steht. Gelingt das nicht, bleiben auch potenzielle Übernahmeszenarien blockiert. Der Halbjahresbericht folgt am 14. Juli 2026.
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