Der Verpackungsspezialist Gerresheimer zieht weitreichende Konsequenzen aus seinen anhaltenden Bilanzierungsproblemen. Um die angeschlagene Finanzierungsstruktur zu stabilisieren, trennt sich der Konzern von seiner hochprofitablen US-Tochter Centor. Gleichzeitig droht der unausweichliche Ausschluss aus dem SDAX, da der testierte Jahresabschluss für 2025 nicht fristgerecht vorliegt.
Die Verschiebung des Geschäftsberichts über den Stichtag am 31. März 2026 hinaus besiegelt den Abstieg aus dem Nebenwerteindex. Für Indexfonds bedeutet dieser Schritt zwingende Portfolioanpassungen, was zusätzlichen Verkaufsdruck auf die Papiere ausüben dürfte. Die massiven Unsicherheiten spiegeln sich bereits deutlich in der Kursentwicklung wider: Auf Sicht von zwölf Monaten verzeichnet der Titel einen Verlust von über 71 Prozent und notiert aktuell bei 21,20 Euro.
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Radikalkur für die Bilanz
Als zentrale Gegenmaßnahme hat das Management die Investmentbank Morgan Stanley mit dem Verkauf der hundertprozentigen US-Tochter Centor beauftragt. Das Segment für verschreibungspflichtige Medikamentenverpackungen stand Ende 2024 mit 292 Millionen Euro in den Büchern. Der angestrebte Erlös ist ein kritischer Baustein für die laufenden Kreditgespräche.
Parallel dazu muss das Düsseldorfer Unternehmen erhebliche Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro verbuchen. Diese betreffen vor allem Technologieprojekte der Sensile Medical AG sowie das Moulded-Glass-Werk in Chicago Heights, dessen Schließung für Ende 2026 terminiert ist. Die dortige Produktion wird auf Standorte in Italien und Indien verlagert.
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Prüfer und Aufsicht ermitteln
Den Ursprung der aktuellen Lage bilden systematisch zu früh erfasste Umsätze aus sogenannten Bill-and-Hold-Vereinbarungen. Aktuell prüfen KPMG und Grant Thornton die Abschlüsse der Jahre 2024 und 2025, wobei eine Veröffentlichung erst für Juni 2026 angestrebt wird. Auch die Finanzaufsicht BaFin hat ihre seit September 2025 laufende Anlassprüfung Anfang März ausgeweitet, nachdem weitere IFRS-Verstöße bekannt wurden. Auf Aktionärsseite formiert sich derweil Widerstand: Die DSW prüft bereits Schadensersatzansprüche gegen ehemalige Führungskräfte, während Investoren wie der CastleKnight Master Fund das niedrige Kursniveau für Einstiege nutzen.
Inmitten der Restrukturierung ruhen die operativen Hoffnungen auf dem GLP-1-Markt. Gerresheimer liefert das komplexe Doppelkammer-Pen-System für das Präparat CagriSema von Novo Nordisk, für das Ende 2026 die FDA-Zulassung erwartet wird. Bis zur Vorlage der testierten Bilanzen im Juni steht die aktuelle Jahresprognose von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro Umsatz unter Vorbehalt. Die Ergebnisse der BaFin-Prüfung sowie der erfolgreiche Abschluss des Centor-Verkaufs bilden in den kommenden Monaten die entscheidenden Faktoren für die finanzielle Stabilisierung des Konzerns.
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