Der Bilanzskandal beim Pharmaverpackungsspezialisten Gerresheimer zieht immer weitere Kreise. Weil der Konzern seinen testierten Jahresabschluss verschieben muss, reißen nun wichtige Pflichten aus bestehenden Kreditverträgen. Um dringend benötigte Liquidität zu sichern, opfert das Management jetzt sogar sein profitabelstes US-Geschäft.
Risse im Fundament
Im Zentrum der Krise stehen systematische Verstöße gegen Rechnungslegungsstandards. Eine Untersuchung deckte auf, dass Umsätze aus sogenannten Bill-and-Hold-Vereinbarungen zu früh verbucht wurden. Für 2025 drohen nun Wertminderungen von bis zu 240 Millionen Euro. Gleichzeitig weitet die Finanzaufsicht BaFin ihre Prüfung auf Leasingverbindlichkeiten und aktivierte Entwicklungskosten aus.
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Weil der testierte Jahresabschluss voraussichtlich erst im Juni 2026 vorliegen wird, verletzt der Konzern aktuell seine Kreditverträge und muss mit den Geldgebern über Fristverlängerungen verhandeln. Der drastische Kursverlust von rund 71 Prozent auf 12-Monats-Sicht auf zuletzt 19,84 Euro spiegelt diese fundamentale Verunsicherung der Anleger wider.
Schmerzhafter Strategiewechsel
Als direkte Gegenmaßnahme treibt das Unternehmen den Verkauf seiner profitabelsten Tochtergesellschaft Centor voran. Die US-Sparte für Medikamentenverpackungen stand Ende 2024 mit 292 Millionen Euro in den Büchern und soll nun über die Investmentbank Morgan Stanley veräußert werden. Dieser Schritt spült zwar kurzfristig Liquidität in die Kassen, dürfte die zukünftige Ertragskraft des Gesamtkonzerns aber erheblich schwächen. Parallel schließt Gerresheimer bis Ende 2026 eine Glasfabrik in Chicago und verlagert die entsprechenden Kapazitäten nach Italien und Indien.
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Die Aufarbeitung der Fehler beschäftigt inzwischen auch die Juristen. Der Aktionärsschutzverband DSW prüft mithilfe eines Gutachtens mögliche Schadensersatzansprüche gegen den ehemaligen CEO Dietmar Siemssen sowie den Ex-Finanzchef Bernd Metzner. Auch der Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats rückt zunehmend in den Fokus der Ermittlungen.
Nächster Meilenstein im Juni
Der entscheidende Termin für die weitere Entwicklung ist der Juni 2026. Dann muss Gerresheimer den testierten Jahresabschluss vorlegen und die Ergebnisse der laufenden Kreditverhandlungen präsentieren. Erst dieses Dokument wird belegen, ob die für 2026 in Aussicht gestellte Prognose von bis zu 2,4 Milliarden Euro Umsatz auf einem belastbaren Fundament steht. Bis dahin bleiben die Quartalsmitteilung für das erste Jahresviertel sowie die ordentliche Hauptversammlung auf unbestimmte Zeit verschoben.
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