Nach dem Verstreichen der Frist für den Jahresabschluss zieht das Management von Gerresheimer drastische Konsequenzen. Um die angespannte Liquiditätslage zu stabilisieren, opfert der Pharmazulieferer nun seine profitable US-Tochter Centor und schließt einen wichtigen Produktionsstandort. Gleichzeitig nimmt die Finanzaufsicht BaFin weitere Bilanzposten ins Visier.
Harte operative Einschnitte
Die Beauftragung der Investmentbank Morgan Stanley mit dem Verkauf von Centor markiert einen tiefgreifenden Einschnitt. Die Erlöse aus dieser Veräußerung sollen dringend benötigten Spielraum bei den Verhandlungen mit den Kreditgebern schaffen. Parallel verlagert der Konzern bis Ende 2026 die Kapazitäten des Glaswerks in Chicago Heights nach Italien und Indien. Diese Maßnahmen spiegeln die prekäre Lage wider, die den Börsenwert massiv erodieren ließ. Auf Sicht von zwölf Monaten verzeichnet das Papier einen Verlust von knapp 72 Prozent und schloss am Mittwoch bei 19,15 Euro.
BaFin weitet Prüfung aus
Neben den operativen Eingriffen belastet die Ausweitung der behördlichen Untersuchungen das Düsseldorfer Unternehmen. Die BaFin prüft nun konkret Unregelmäßigkeiten bei folgenden Bilanzposten:
- Leasingverbindlichkeiten in Höhe von 65,5 Millionen Euro
- Aktivierte Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro
- Mögliche unterlassene Abschreibungen von bis zu 196,5 Millionen Euro
Der Markt rechnet infolgedessen mit nicht-zahlungswirksamen Wertberichtigungen von bis zu 240 Millionen Euro. Der reguläre Finanzkalender ist derweil ausgesetzt. Sowohl die Quartalsmitteilung als auch die Hauptversammlung wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. Interim-CEO Uwe Röhrhoff peilt nun den Juni als neuen Zieltermin für die Vorlage der testierten Zahlen an, was den Ausschluss aus dem SDAX wahrscheinlicher macht.
Prognose an strikte Bedingungen geknüpft
Ungeachtet der bilanziellen Turbulenzen hält das Management an der operativen Prognose für 2026 fest und erwartet einen Umsatz zwischen 2,3 und 2,4 Milliarden Euro. Die angestrebte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent steht allerdings unter einem klaren Vorbehalt. Erst wenn die laufenden Verhandlungen über Fristverlängerungen mit den Banken erfolgreich abgeschlossen sind und die BaFin-Untersuchungen zu einem tragfähigen Ergebnis führen, besitzt dieser Ausblick eine reale Grundlage.
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