Bilanzfehler, eingefrorener Berichtskalender, SDAX-Rauswurf — und jetzt kommen die Anwälte. Bei Gerresheimer eskaliert der Bilanzskandal auf eine neue Stufe: Der Aktionärsschutzverband DSW prüft Schadensersatzansprüche gegen die Ex-Vorstandsriege des Pharmaverpackungsspezialisten.
Ex-Chefs im Visier
DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, das Ansprüche gegen Ex-CEO Dietmar Siemssen und Ex-CFO Bernd Metzner prüft — ebenso gegen den Aufsichtsrat und seinen Prüfungsausschuss. Im Mittelpunkt stehen neben den Bilanzmanipulationen auch Bewertungsfragen rund um Geschäftswerte von rund 676 Millionen Euro. „Je härter sich die Ansprüche herauskristallisieren, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich auch ein Prozessfinanzierer engagiert“, erklärte Tüngler. Geschädigte Aktionäre ruft die DSW zur Koordination auf.
Der Kern des Skandals sind sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen: Gerresheimer stellte Kunden Waren in Rechnung, lieferte sie aber erst später aus — und buchte Umsätze zu früh, entgegen den IFRS-Vorschriften. Eine unabhängige Anwaltskanzlei bestätigte die systematischen Verstöße, die sich auf 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen Euro bereinigtes EBITDA summieren. Hinzu kommen geplante nicht-zahlungswirksame Abschreibungen von 220 bis 240 Millionen Euro, vor allem aus der Schweizer Tochter Sensile Medical und der anstehenden Schließung eines US-Glaswerks.
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Kalender eingefroren, Kreditgeber nervös
Die laufende BaFin-Prüfung hat den gesamten Berichtsrhythmus zum Stillstand gebracht. Der Q1-Bericht 2026 — ursprünglich für heute, den 16. April, geplant — wird verschoben. Die Hauptversammlung am 3. Juni fällt ebenfalls aus. Beide Termine tragen auf der Investor-Relations-Seite den Status „New date to be announced“. Als nächster fester Ankerpunkt gilt der Halbjahresbericht am 14. Juli 2026.
Weil Gerresheimer vertraglich zugesicherte Reporting-Pflichten verletzt hat, befindet sich das Unternehmen in technischem Verzug gegenüber seinen Kreditgebern und verhandelt über Fristverlängerungen. Die Umsatzprognose von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro für 2026 steht explizit unter dem Vorbehalt, dass diese Gespräche tragfähige Ergebnisse liefern.
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Pflichtverkäufe verschärfen den Druck
Den SDAX-Rauswurf hat die Aktie bereits verdaut — zumindest oberflächlich. Mit 17,66 Euro notiert das Papier rund 73 Prozent unter seinem Jahreshoch von 64,40 Euro, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 36 Prozent. Indexgebundene Fonds, die den SDAX physisch abbilden, müssen die Aktie aus ihren Portfolios streichen, was zusätzlichen technischen Abgabedruck erzeugt.
Erste institutionelle Investoren nutzen das reduzierte Kursniveau dennoch zum Einstieg: CastleKnight und Deka Investment meldeten zuletzt neue Beteiligungen. Solange kein testierter Abschluss vorliegt, bleibt eine fundierte Unternehmensbewertung — und damit auch jedes potenzielle Übernahmeszenario — blockiert. Der Halbjahresbericht am 14. Juli wird zeigen, ob Gerresheimer den Informationsstau endlich auflösen kann.
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