Der Pharmaverpackungsspezialist Gerresheimer taumelt immer tiefer in einen handfesten Bilanzskandal. Weil eine Sonderprüfung zu fehlerhaften Umsatzbuchungen länger dauert als geplant, muss das Unternehmen seinen Jahresabschluss massiv verschieben. Die Konsequenzen sind gravierend und reichen von einem drohenden Rauswurf aus dem SDAX bis hin zu kritischen Gesprächen mit Kreditgebern.
SDAX-Ausschluss und verschobene Termine
Eigentlich sollte der testierte Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2025 bis Ende März vorliegen. Doch eine zweite externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft benötigt für die Untersuchung von Geschäftsvorgängen aus den Vorjahren mehr Zeit. Der Konzern rechnet nun erst im Juni 2026 mit einer Veröffentlichung.
Gerresheimer geht selbst davon aus, dass dieser Verzug zum Ausschluss aus dem SDAX der Deutschen Börse führen wird. Dies zwingt Indexfonds zu Umschichtungen und erzeugt zusätzlichen Verkaufsdruck auf das Papier. Auch die Veröffentlichung der Quartalszahlen für das erste Quartal 2026 sowie die für Juni geplante Hauptversammlung fallen auf unbestimmte Zeit aus.
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BaFin weitet Untersuchung aus
Die Ursache der Misere liegt in gravierenden Bilanzierungsfehlern. Ende 2025 räumte das Management ein, dass Umsätze über sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen verbucht wurden, bevor die Ware das Werk verließ. Inzwischen hat die Finanzaufsicht BaFin ihre Prüfung ausgeweitet und nimmt nun auch den Zeitraum von Dezember 2024 bis Mai 2025 unter die Lupe.
Neben der fragwürdigen Umsatzrealisierung stehen nun auch möglicherweise falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten in Höhe von 65,5 Millionen Euro sowie aktivierte Entwicklungskosten im Fokus der Aufseher. Die personellen Konsequenzen wurden bereits gezogen: Nach mehreren Gewinnwarnungen haben sowohl der CEO als auch der Finanzvorstand das Unternehmen verlassen.
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Operativ hinterlässt die Krise tiefe Spuren. Für 2025 rechnet der Konzern mit einem Umsatzrückgang und einer reduzierten EBITDA-Marge von maximal 17,5 Prozent. Zusätzlich belasten Abschreibungen von bis zu 240 Millionen Euro auf Tochtergesellschaften das Ergebnis schwer. Diese toxische Nachrichtenlage spiegelt sich im Chartbild wider: Auf Sicht von zwölf Monaten hat die Aktie drastische 76,40 Prozent an Wert verloren und notiert meilenweit vom 52-Wochen-Hoch bei 82,00 Euro entfernt. Eine annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 129 Prozent unterstreicht die extreme Nervosität der Anleger.
Harter Schnitt zur Rettung der Bilanz
Wie will das Unternehmen diesen finanziellen Engpass überbrücken? Um die Stabilität zu sichern, verhandelt Gerresheimer derzeit mit seinen Kreditgebern über eine Verlängerung der Fristen für die Vorlage des Jahresabschlusses.
Gleichzeitig plant das Management einen drastischen operativen Schritt: Die hochmargige US-Tochter Centor soll verkauft werden, um die Bilanz zu entlasten. Da Centor profitabel arbeitet, wird dieser Verkauf die ohnehin geschwächte Margenstruktur des Gesamtkonzerns weiter strapazieren. Bis zur geplanten Vorlage des testierten Abschlusses im Juni 2026 muss das Unternehmen nun beweisen, dass die Finanzierung durch die Banken gesichert bleibt und der geplante Unternehmensumbau greift.
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