Gerresheimer Aktie: Täuschender Aufwärtstrend?

Die Finanzaufsicht untersucht zusätzliche Bilanzfehler bei Gerresheimer. Der Konzern verschiebt seinen Abschluss, muss hohe Abschreibungen vornehmen und plant den Verkauf einer profitablen Tochter.

Gerresheimer Aktie
Kurz & knapp:
  • BaFin prüft neue Bilanzposten bis Mai 2025
  • Wertberichtigungen von bis zu 240 Millionen Euro
  • Verkauf der US-Tochter Centor geplant
  • Aktie verliert fast 40 Prozent seit Jahresbeginn

Die Krise beim Düsseldorfer Verpackungsspezialisten eskaliert. Statt der erhofften Entwarnung weitet die Finanzaufsicht BaFin ihre Prüfungen nun massiv aus, während das Unternehmen den Jahresabschluss erneut verschieben muss. Anleger reagieren panisch auf die Kombination aus regulatorischem Druck und eingestandenen Bilanzfehlern, was den Kurs auf ein 10-Jahres-Tief drückt.

Aufsicht findet neue Ungereimtheiten

Ursprünglich konzentrierte sich die Untersuchung der BaFin lediglich auf die Umsatzrealisierung, speziell auf sogenannte „Bill-and-Hold-Vereinbarungen“. Dabei prüften die Aufseher, ob Umsätze verfrüht verbucht wurden, obwohl die Ware das Unternehmen noch nicht verlassen hatte. Doch nun haben sich konkrete Anhaltspunkte für weitere Fehler ergeben.

Die Behörde nimmt jetzt auch den Zeitraum bis Ende Mai 2025 ins Visier. Im Zentrum stehen potenziell falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten in Höhe von 65,5 Millionen Euro sowie aktivierte Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro. Interne Untersuchungen haben bestätigt, dass Mitarbeiter gegen Richtlinien verstoßen haben, was nun zu weitreichenden Korrekturen in der Bilanz führt.

Kurssturz und massive Abschreibungen

Die finanzielle Dimension des Debakels wird in den neuen Kennzahlen sichtbar. Das Management muss Wertberichtigungen in Höhe von 220 bis 240 Millionen Euro vornehmen, die vor allem die Schweizer Tochter Sensile Medical und das US-Werk in Chicago betreffen.

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Diese Belastungen zwingen den Konzern zu einer deutlichen Prognosekürzung:
* Die bereinigte EBITDA-Marge sinkt auf 16,5 bis 17,5 Prozent (zuvor bis zu 19 Prozent).
* Der Gewinn je Aktie wird zweistellig einbrechen; ein Verlust ist möglich.

Am Markt sorgt diese Gemengelage für einen Ausverkauf. Die Aktie notiert aktuell nur noch bei 16,66 Euro. Allein seit Jahresanfang hat das Papier 39,90 Prozent an Wert verloren. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 82,00 Euro beträgt mittlerweile fast 80 Prozent – ein Wertvernichter historischen Ausmaßes.

Tafelsilber muss verkauft werden

Um die bilanzielle Schieflage zu stabilisieren und Schulden abzubauen, greift das Management zu drastischen Maßnahmen. Die US-Tochter Centor steht nun offiziell zum Verkauf. Dieser Schritt ist zweischneidig: Zwar gilt Centor als attraktives Asset, das schnell Liquidität bringen könnte, doch es ist auch hochprofitabel. Ein Verkauf würde die künftige Margenstruktur des Konzerns somit dauerhaft schwächen.

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Analysten reagieren skeptisch auf die strategische Notbremse. Die Schweizer Großbank UBS stufte die Aktie konsequent auf „Sell“ herab und kappte das Kursziel radikal auf 12,90 Euro. Die Experten sehen die Risiken noch nicht vollständig im Kurs eingepreist.

Entscheidende Wochen stehen bevor

Für das Management beginnt nun ein Wettlauf gegen die Zeit. Bis Ende März muss der testierte Geschäftsbericht vorliegen, um weitere Verunsicherung zu vermeiden. Am 16. April folgen bereits die Zahlen für das erste Quartal, bevor am 3. Juni 2026 die Hauptversammlung stattfindet. Erst die fristgerechte Vorlage des Abschlusses wird zeigen, ob die Aufräumarbeiten erfolgreich waren oder ob weitere Leichen im Keller liegen.

Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.

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