Gefälschte Umsätze, eine ausgeweitete BaFin-Prüfung und ein drohender Indexausschluss: Bei Gerresheimer häufen sich die Probleme. Die Ad-hoc-Meldung vom 10. März hat die Tragweite der Krise erstmals in vollem Umfang sichtbar gemacht.
Sonderprüfung blockiert den Jahresabschluss
Der testierte Jahres- und Konzernabschluss für 2025 wird nicht wie geplant bis Ende März vorliegen. Eine zweite externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft untersucht Geschäftsvorgänge aus den Jahren 2024 und 2025 — und diese Sonderuntersuchung dauert länger als erwartet. Gerresheimer rechnet nun mit einer Veröffentlichung im Juni 2026.
Die Verzögerung zieht einen ganzen Terminkalender mit sich: Die Q1-Mitteilung, ursprünglich für den 16. April geplant, wird verschoben. Die ordentliche Hauptversammlung am 3. Juni fällt ebenfalls aus. Neue Termine stehen noch aus.
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Im Kern der Krise stecken fehlerhafte Bilanzierungspraktiken. Umsätze wurden über sogenannte „Bill-and-Hold“-Vereinbarungen erfasst, bevor die Waren physisch ausgeliefert waren. Die BaFin hat ihre Prüfungen inzwischen ausgeweitet und nimmt neben dem Geschäftsbericht 2023/24 nun auch den Zeitraum von Dezember 2024 bis Mai 2025 unter die Lupe — inklusive möglicherweise falsch ausgewiesener Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro und aktivierter Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro. Laut Unternehmensangaben haben einzelne Mitarbeiter interne Richtlinien und Bilanzierungsvorschriften verletzt.
Drohender SDAX-Ausschluss und wachsender Short-Druck
Gerresheimer erwartet selbst, dass die verspätete Abschlussvorlage zu einem Ausschluss aus dem SDAX führen wird. Indexfonds müssten bei einem Rauswurf umschichten — zusätzlicher Verkaufsdruck wäre die Folge. Parallel hat das Unternehmen Gespräche mit seinen Kreditgebern aufgenommen, um Fristen aus den Finanzierungsverträgen zu verlängern.
Potenzielle Abschreibungen von 220 bis 240 Millionen Euro — hauptsächlich auf die Schweizer Tochter Sensile Medical und einen Standort in Chicago — belasten die Bilanz zusätzlich. Beim Gewinn je Aktie droht ein zweistelliger Einbruch, ein Verlust ist nicht ausgeschlossen. Die bereinigte EBITDA-Marge für 2025 wird die eigenen Zielvorgaben verfehlen.
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Um die Bilanz zu entlasten, plant Gerresheimer den Verkauf der US-Tochter Centor, begleitet von Morgan Stanley. Das Problem dabei: Centor operiert in einem margenstarken Segment. Ein Verkauf würde die ohnehin geschwächte Profitabilität weiter belasten.
Die Aktie notiert rund 78 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 80,55 Euro — erstmals seit der Finanzkrise 2009 wieder unter der Marke von 20 Euro. Ein Hedgefonds erhöhte seine Short-Position am 11. März auf 0,62 Prozent des Aktienkapitals. Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) prüft Schadensersatzansprüche gegen Vorstand und Aufsichtsrat.
Für 2026 prognostiziert Gerresheimer einen Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro, mit einem schwächeren ersten Halbjahr und einer erhofften Stabilisierung danach. Der entscheidende Prüfstein kommt im Juni — wenn der testierte Jahresabschluss vorliegen soll und sich zeigt, wie weit die BaFin-Prüfungen und die Bankverhandlungen gediehen sind.
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