Silgan wollte kaufen. Gerresheimer sagte Nein. Dieser Schritt markiert einen bemerkenswerten Moment für ein Unternehmen, das seit Monaten ums Überleben kämpft — und zeigt, wie viel Selbstvertrauen das neue Management in seinen Sanierungsplan setzt.

Kreditgeber stehen hinter dem Kurs

Den Rücken für diese Haltung stärkte ein Abstimmungsergebnis vom Donnerstag: 96 Prozent der Kreditgeber, die gemeinsam 870 Millionen Euro vertreten, stimmten einer Fristverlängerung für den testierten Jahresabschluss 2025 zu. Die neue Deadline läuft bis Ende September 2026. Finanzvorstand Wolf Lehmann peilt die Veröffentlichung jedoch bereits für Juni an.

Parallel wurden die Covenants bis Ende des dritten Quartals ausgesetzt. Das beseitigt das unmittelbare Risiko einer vorzeitigen Kreditkündigung — ein Szenario, das bei verzögerter Berichterstattung rechtlich greifbar gewesen wäre.

Centor als Schlüssel zur Entschuldung

Das Kernproblem bleibt: Rund 1,2 Milliarden Euro Nettoverbindlichkeiten lasten auf der Bilanz. Die Lösung soll der Verkauf der US-Tochter Centor bringen, für die bereits eine zweistellige Anzahl Interessenten vorliegen soll. Das Management will den Deal noch vor Jahresende abschließen.

Gelingt das, könnte sich das Bild fundamental verändern. Analysten rechnen für 2026 mit einem KGV von rund 13,5 — das bei erfolgreicher Sanierung bis 2027 auf etwa 7,3 sinken könnte.

Kurs erholt sich, Schatten bleiben

Die Märkte honorierten die Entwicklungen mit kräftigen Kurssprüngen. Am Donnerstag schoss die Aktie um fast 20 Prozent auf 21,14 Euro hoch, am Freitag legte sie weitere 2,5 Prozent auf rund 21,66 Euro nach.

Auf Jahressicht steht trotzdem ein Minus von über 60 Prozent. Das SDAX-Ausscheiden, eine laufende BaFin-Untersuchung seit Herbst 2025 und der verschobene Jahresabschluss haben das Vertrauen der Anleger tief erschüttert. CEO Uwe Röhrhoff, seit November 2025 im Amt, muss nun liefern — der Centor-Prozess und der Junibericht werden zeigen, ob der Turnaround mehr ist als ein Versprechen.