Seit Ende März ist der Pharmazulieferer zwangsweise nicht mehr im SDAX vertreten. Der fehlende Jahresabschluss für 2025 hat nicht nur den automatischen Index-Ausschluss durch die Deutsche Börse ausgelöst, sondern bringt das Unternehmen auch bei seinen Kreditgebern in Erklärungsnot. Um die finanzielle Schieflage abzuwenden, leitet das Management nun drastische strukturelle Einschnitte ein.
Fehlerhafte Bilanzen blockieren Abschlüsse
Ursächlich für die Verzögerungen sind systematisch zu früh verbuchte Umsätze aus sogenannten „Bill-and-Hold“-Vereinbarungen. Allein für 2024 musste das Unternehmen den Umsatz nachträglich um 35 Millionen Euro nach unten korrigieren. Inzwischen durchleuchtet neben KPMG auch die Prüfungsgesellschaft Grant Thornton die Bilanzen der vergangenen zwei Jahre.
Die Folgen dieser Aufarbeitung wiegen schwer. Für 2025 rechnet der Konzern mit nicht zahlungswirksamen Wertminderungen von bis zu 240 Millionen Euro, die primär Technologieprojekte und das US-Geschäft belasten. Weil der testierte Abschluss weiterhin fehlt, befindet sich Gerresheimer bei seinen Kreditverträgen im technischen Verzug. Das Management verhandelt derzeit intensiv über Fristverlängerungen, um eine Kündigung der Kreditlinien abzuwenden. Hauptversammlung und Quartalsmitteilung wurden auf unbestimmte Zeit verschoben.
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Werkschließung und Notverkauf
Als Reaktion auf die angespannte Lage treibt der Vorstand operative Einschnitte voran. Die US-Produktion wird deutlich verkleinert. Bis Ende 2026 schließt das Moulded-Glass-Werk in Chicago Heights, wonach die Kapazitäten auf Standorte in Italien und Indien verlagert werden.
Gleichzeitig steht die auf verschreibungspflichtige Medikamentenverpackungen spezialisierte US-Tochter Centor Inc. zum Verkauf. Die Investmentbank Morgan Stanley soll die Transaktion noch im laufenden Jahr über die Bühne bringen. Ende 2024 stand diese Sparte noch mit 292 Millionen Euro in den Büchern.
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Investoren zwischen Einstieg und Klage
Am Kapitalmarkt sorgt die Gemengelage für gegensätzliche Reaktionen. Der Aktienkurs hat auf Jahressicht rund 72 Prozent eingebüßt. Dieses stark gedrückte Niveau nutzen institutionelle Adressen wie Deka Investment und der CastleKnight Master Fund aktuell für Neueinstiege. Die Aktionärsschützer der DSW prüfen hingegen mithilfe eines Gutachtens mögliche Schadensersatzansprüche gegen den ehemaligen CEO Dietmar Siemssen sowie Ex-CFO Bernd Metzner.
Die anvisierte Prognose mit einem Umsatz von bis zu 2,4 Milliarden Euro steht unter dem ausdrücklichen Vorbehalt erfolgreicher Bankenverhandlungen und BaFin-Untersuchungen. Der entscheidende Termin für das Unternehmen fällt in den kommenden Juni. Dann muss das Management den testierten Jahresabschluss vorlegen und parallel die Ergebnisse der laufenden Kreditgespräche präsentieren, um die fortlaufende Finanzierung vertraglich abzusichern.
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