Bilanzverzögerung, BaFin-Ermittlungen, drohender Indexausschluss – bei Gerresheimer überschlagen sich die Ereignisse. Eine Ad-hoc-Meldung vom 10. März löste einen Kurseinbruch von bis zu 17,7 Prozent aus. Was steckt hinter der Krise?
Bilanzprobleme mit weitreichenden Folgen
Der Kern des Problems: Der testierte Jahres- und Konzernabschluss 2025 wird nicht wie geplant bis Ende März vorliegen. Grund ist keine gewöhnliche Prüfungsverzögerung, sondern eine laufende Sonderuntersuchung durch eine zweite externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Diese untersucht Geschäftsvorgänge der Jahre 2024 und 2025 – und dauert länger als erwartet. Gerresheimer rechnet nun mit einer Veröffentlichung im Juni 2026.
Die Folgen sind unmittelbar spürbar. Das Unternehmen erwartet selbst den Ausschluss aus dem SDAX, was Indexfonds zu Umschichtungen zwingt und zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugt. Die Quartalsmitteilung zum ersten Quartal 2026 (ursprünglich 16. April) fällt ebenfalls weg. Und die ordentliche Hauptversammlung, geplant für den 3. Juni 2026, kann ohne testierten Abschluss nicht stattfinden. Ein neues Datum steht noch nicht fest.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Gerresheimer?
BaFin weitet Prüfungen aus
Parallel dazu hat die BaFin ihre Untersuchungen deutlich verschärft. Die Finanzaufsicht prüft die konsolidierten Zwischenabschlüsse für den Zeitraum Dezember 2024 bis Mai 2025 und hat konkrete Hinweise auf mögliche Verstöße gegen Rechnungslegungsvorschriften. Zudem weitete sie ihre bereits laufende Ad-hoc-Prüfung des Abschlusses zum 30. November 2024 aus – mit dem Verdacht weiterer Regelverletzungen über die ursprünglich identifizierten hinaus.
Im Zentrum der Bilanzprobleme stehen sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen, bei denen Umsätze bereits vor tatsächlicher Warenauslieferung gebucht werden. Dazu kommen möglicherweise falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro sowie aktivierte Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Gerresheimer?
Margen unter Druck, Gespräche mit Kreditgebern
Die operativen Zahlen spiegeln die Schwere der Lage wider. Die bereinigte EBITDA-Marge für 2025 soll nur noch 16,5 bis 17,5 Prozent erreichen – statt der ursprünglich angepeilten 18,5 bis 19,0 Prozent. Beim bereinigten Gewinn je Aktie droht ein deutlich zweistelliger Einbruch; ein Verlust ist nicht ausgeschlossen. Hinzu kommen Abschreibungen zwischen 220 und 240 Millionen Euro, vor allem auf die Schweizer Tochter Sensile Medical und den US-Standort in Chicago.
Um den Bilanzdruck zu reduzieren, plant das Management den Verkauf der US-Tochter Centor, der noch 2026 abgeschlossen werden soll. Das Paradoxe daran: Centor gilt als hochmargiges Geschäft. Ein Verkauf würde die ohnehin geschwächte Margenstruktur des Konzerns weiter belasten.
Gerresheimer hat inzwischen Gespräche mit seinen Kreditgebern aufgenommen, um Verlängerungen der vertraglich festgelegten Einreichungsfristen für den testierten Abschluss zu vereinbaren. Ob die Kreditgeber dabei mitziehen, ist der entscheidende Faktor für die Stabilität der Finanzierungsstruktur in den kommenden Monaten. Die Aktie notiert aktuell bei rund 18 Euro – rund 78 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 82 Euro im März 2025.
Gerresheimer-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Gerresheimer-Analyse vom 12. März liefert die Antwort:
Die neusten Gerresheimer-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Gerresheimer-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 12. März erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Gerresheimer: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...


