Bilanzierungsfragen, verschobene Berichte, gesenkte Prognosen und ein hoher Finanzierungsbedarf: Gerresheimer hat den Ruf als defensiver Pharmaverpackungswert zuletzt schwer beschädigt. Die vorläufigen Zahlen zum zweiten Quartal senden nun erstmals wieder ein anderes Signal.

Besser als im Vorquartal, schwächer als im Vorjahr

Im zweiten Geschäftsquartal (März bis Mai) erlöste der Düsseldorfer Spezialverpackungshersteller 578 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es angepasst 614 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA sank im Jahresvergleich von 126 auf 102 Millionen Euro.

Der Blick aufs Vorquartal fällt freundlicher aus. Das bereinigte EBITDA liegt nach Unternehmensangaben mehr als 50 Prozent über dem ersten Quartal. Finanzvorstand Wolf Lehmann spricht von einem Quartal, das „wie erwartet stärker ausgefallen“ sei, und sieht das Transformationsprogramm gto zu greifen beginnen.

Die Zahlen bleiben also zweigeteilt. Die Richtung stimmt, das Vorjahresniveau ist aber noch nicht erreicht.

Verkäufe sollen die Schulden drücken

Die hohe Verschuldung bleibt der zentrale Hebel. Gerresheimer will sich von der US-Tochter Centor und vom Geschäft mit Primary Packaging Plastics trennen. Lehmann erwartet den Abschluss des Centor-Verkaufs kurzfristig, der Verkaufsprozess für die Kunststoffsparte schreite planmäßig zügig voran.

Die Erlöse sollen in eine neue Kapitalstruktur fließen. Sie soll das Unternehmen nach Lehmanns Worten langfristig wieder auf eine solide Basis stellen. Solange die Transaktionen nicht vollzogen sind, bleiben sie allerdings Ankündigungen.

Nächster Termin im November

Die endgültigen Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr will Gerresheimer voraussichtlich Ende November veröffentlichen. Dann zeigt sich, ob die vorläufigen Werte Bestand haben. Bis dahin dürfte ein Abschluss des Centor-Verkaufs der nächste greifbare Meilenstein sein.