Gerresheimer steckt mitten in einer Bilanzkrise — und der Weg heraus führt über einen Unternehmensverkauf, eine Aufsichtsbehörde und einen Jahresabschluss, der schon lange überfällig ist. Die Aktie hat in zwölf Monaten rund 60 Prozent verloren. Den SDAX musste sie im April verlassen.
Falsch gebuchte Umsätze als Ausgangspunkt
Der Kern des Problems: sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen. Gerresheimer stellte Kunden Waren in Rechnung, lieferte sie aber erst später — und buchte die Erlöse zu früh. Das verstößt gegen IFRS-Vorschriften. Eine unabhängige Anwaltskanzlei bestätigte die Verstöße. Sie belasten 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen Euro bereinigtes EBITDA.
Die BaFin reagierte. Am 6. März 2026 leitete sie eine Prüfung des Konzernzwischenabschlusses ein. Im Fokus stehen Leasingverbindlichkeiten, aktivierte Entwicklungskosten und Vermögenswerte des Segments Advanced Technologies — bei denen Wertminderungen möglicherweise nicht korrekt erfasst wurden. Obendrein hat die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS ein berufsrechtliches Verfahren gegen KPMG eingeleitet. Der Vorwurf: KPMG testierte den Jahresabschluss 2024 uneingeschränkt, obwohl die IFRS-Fehler systematischer Natur waren. Pikant: KPMG hatte erst 2024 Deloitte abgelöst.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Gerresheimer?
Centor-Verkauf soll Druck nehmen
Als Entschuldungsinstrument setzt Gerresheimer auf den Verkauf der US-Tochter Centor Inc., die Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente herstellt. Morgan Stanley begleitet die Transaktion. Eine zweistellige Zahl von Interessenten ist im Rennen. Gerresheimer rechnet noch 2026 mit dem Abschluss. Die Erlöse sollen die Kapitalstruktur stärken.
Gelingt der Verkauf, könnte das den Bewertungsabschlag verringern, der den Kurs zuletzt belastet hat. Aktuell notiert die Aktie bei 23,80 Euro — mehr als 60 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 64,40 Euro. In den vergangenen 30 Tagen hat sie immerhin rund 20 Prozent zugelegt.
Operative Prognose hält, Abschreibungen belasten
Das Management hält an seiner Planung für 2026 fest. Der Konzern erwartet Umsätze von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent. Die Auftragslage ist solide.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Gerresheimer?
Das ändert nichts an den Belastungen aus der Vergangenheit. Für das Geschäftsjahr 2025 erwartet Gerresheimer nicht-zahlungswirksame Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro. Betroffen sind Projekte der Sensile Medical AG und das Glaswerk in Chicago Heights — das zum Jahresende 2026 schließt.
Juni 2026 als erster Gradmesser
Der Finanzkalender bleibt vorerst leer. Weder Q1-Bericht noch Hauptversammlung haben Termine. Interne Untersuchungen zu Vorgängen aus 2024 und 2025 haben den Jahresabschluss verschoben.
Den testierten Abschluss für 2025 will Gerresheimer im Juni 2026 vorlegen. Gelingt das pünktlich, folgt am 14. Juli der Halbjahresbericht. Ein sauberes Testat ohne weitere Überraschungen wäre die Voraussetzung dafür, dass institutionelle Investoren überhaupt wieder einsteigen können — und dass der Centor-Erlös mehr bewirkt als eine kurzfristige Atempause.
Gerresheimer-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Gerresheimer-Analyse vom 30. April liefert die Antwort:
Die neusten Gerresheimer-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Gerresheimer-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 30. April erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Gerresheimer: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...


