Interne Untersuchungen, ein verschobener Jahresabschluss, der Abstieg aus dem SDAX — und jetzt steigen auch noch die Energiepreise so stark wie seit 2022 nicht mehr. Gerresheimer kämpft auf mehreren Fronten gleichzeitig.
Energiekosten verschärfen den Margendruck
Die deutschen Erzeugerpreise kletterten im März um 2,5 Prozent gegenüber Februar — der stärkste monatliche Anstieg seit August 2022. Haupttreiber waren die Energiekosten mit einem Plus von 7,5 Prozent, Mineralölprodukte verteuerten sich sogar um fast 23 Prozent.
Für Gerresheimer trifft das besonders hart. Als energieintensiver Hersteller von Glas- und Kunststoffverpackungen hängen die Margen direkt an den Energiepreisen. Kann das Unternehmen die Mehrkosten an seine Kunden aus der Pharma- und Lebensmittelindustrie weitergeben? Von dieser Antwort hängt ab, ob die angepeilte Adjusted-EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent für das Geschäftsjahr 2026 erreichbar bleibt — bei einem Umsatzziel von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro.
Kreditgeber geben Zeit, Bilanzkrise bleibt offen
Mitte April einigte sich Gerresheimer mit Banken und Schuldschein-Inhabern auf eine Fristverlängerung für den testierten Jahresabschluss 2025 bis zum 30. September 2026. Die Schuldschein-Inhaber stimmten der Verlängerung mit einer Quote von 96 Prozent des Gesamtvolumens von 870 Millionen Euro zu. Kreditbedingungen zum Verschuldungsgrad wurden bis Ende des dritten Quartals ausgesetzt.
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Hintergrund sind interne Untersuchungen zu Geschäftsvorgängen in den Jahren 2024 und 2025. Einzelne Mitarbeitende sollen gegen interne Richtlinien und IFRS-Vorgaben verstoßen haben — konkret bei Bill-and-Hold-Erlösen und der Lagerbewertung. Der Korrekturbedarf für 2024 liegt voraussichtlich bei rund 35 Millionen Euro beim Umsatz und etwa 24 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA.
Gerresheimer hält dennoch daran fest, den geprüften Abschluss bereits im Juni 2026 zu veröffentlichen — zwei Monate früher als die vereinbarte Frist.
Centor-Verkauf soll Spielraum schaffen
Parallel läuft der Verkaufsprozess für die US-Tochter Centor Inc., die auf Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente spezialisiert ist. Eine zweistellige Anzahl von Interessenten ist laut Unternehmen bereits im Prozess, Morgan Stanley begleitet die Transaktion. Gerresheimer rechnet noch 2026 mit dem Abschluss.
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Der Erlös soll die Kapital- und Finanzierungsstruktur verbessern — ein klares Signal, dass das Unternehmen Liquidität braucht, um den eingeschlagenen Kurs zu halten.
An der Börse spiegeln sich die Belastungen deutlich wider. Die Aktie notiert bei 21,24 Euro und hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 59 Prozent verloren — weit abgeschlagen vom 52-Wochen-Hoch bei 64,40 Euro. Immerhin: Gegenüber dem Februartief bei 15,57 Euro hat sich der Kurs in den vergangenen Wochen spürbar erholt.
Der nächste konkrete Prüfstein ist der für Juni geplante Jahresabschluss 2025. Gelingt die fristgerechte Veröffentlichung, würde das zumindest einen der offenen Unsicherheitsfaktoren vom Tisch räumen — während der Centor-Verkauf und der Energiekostenblock weiter auf Lösung warten.
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