Glencore will die Vergütungsbedingungen für CEO Gary Nagle im Fall einer Übernahme ändern. Wie die Financial Times heute berichtet, verhandelt das Unternehmen darüber mit Aktionären. Langfristige Aktienprämien sollen bei einer Übernahme durch einen Wettbewerber schneller unverfallbar werden, falls Nagle seinen Chefposten verliert. Der Vorschlag betrifft damit seine finanzielle Absicherung bei einem Kontrollwechsel.

Aktienansprüche sollen geschützt werden

Die Financial Times stützt ihren Bericht auf Insider und eine Investorenpräsentation. Nach der vorgeschlagenen Regelung würden Nagles langfristige Aktienprämien bei einer Übernahme und seiner Ablösung als CEO unverfallbar. Ein Teil der Aktien bliebe allerdings mehrere Jahre unverkäuflich. Die Einzelheiten werden noch ausgearbeitet.

Entscheidend ist die Trennung zwischen dem Anspruch auf die Aktien und deren Verfügbarkeit. Die geplante Änderung soll verhindern, dass Nagle bei seinem Ausscheiden nach einer Übernahme langfristige Prämien verliert. Sie würde aber nicht bedeuten, dass er sämtliche betroffenen Aktien sofort verkaufen könnte.

Nagle führt Glencore seit 2021. Die Aktienprämien machen den Großteil seiner Vergütung aus. Glencore lehnte gegenüber der Financial Times einen Kommentar zu den geplanten Änderungen ab. Die Regelung ist somit weiterhin ein Vorschlag und keine beschlossene Anpassung.

Auch die Vergütungsobergrenze soll steigen

Neben der Übernahmeklausel stehen weitere Änderungen zur Diskussion. Die Zielchance der Karriereaktien beträgt bislang 350 % des Gehalts. Das Maximum liegt bei 525 %. Diese Obergrenze will Glencore um etwas mehr als 10 % anheben.

Darüber hinaus ist eine inflationsbedingte Erhöhung des Fixgehalts vorgesehen. Für Aktionäre stehen damit zwei unterschiedliche Fragen im Raum: die Höhe der möglichen Vergütung und die Bedingungen, unter denen langfristige Aktienansprüche erhalten bleiben. Die Übernahmeklausel betrifft vor allem den zweiten Punkt.

Rio-Gespräche liefern den Hintergrund

Die Diskussion folgt auf die im Februar beendeten Fusionsgespräche mit Rio Tinto. Diese scheiterten an Bewertungs- und Führungsfragen. Rio Tinto wollte sowohl den Verwaltungsratschef als auch den CEO des zusammengeschlossenen Konzerns stellen.

Damit hatte die künftige Besetzung der Unternehmensspitze bereits bei den damaligen Gesprächen konkrete Bedeutung. Der neue Vergütungsvorschlag würde nun Nagles Aktienansprüche für einen solchen Führungswechsel regeln. Neue Übernahmegespräche sind allerdings nicht bekannt.

Für Anleger ist deshalb zwischen einer vorsorglichen Vertragsänderung und einer konkreten Transaktion zu unterscheiden. Die aktuelle Nachricht betrifft zunächst die Vergütungsordnung. Sie belegt keine Wiederaufnahme der gescheiterten Fusionsgespräche.