Der Hype um das „rote Metall“ bekommt tiefe Risse. Während Kupferminen-Aktien monatelang von der Hoffnung auf eine anhaltende Knappheit profitierten, dreht sich nun das Bild am physischen Markt. Anleger reagieren nervös und ziehen die Reißleine.

Schwache Nachfrage trifft auf volle Lager

Analysten von Macquarie warnen vor einer deutlichen Preiskorrektur. Die Lagerhäuser füllen sich rasant. Seit Anfang 2025 stiegen die weltweiten Bestände um über 870.000 Tonnen. An der London Metal Exchange (LME) erreichten die Vorräte damit ein Achtjahreshoch.

Für 2026 rechnet Macquarie mit einem globalen Kupfer-Überschuss von 262.000 Tonnen. In den Folgejahren könnte dieser Überhang sogar auf über 700.000 Tonnen pro Jahr anwachsen. Parallel dazu senkte Bernstein seine Preisprognose für das zweite Halbjahr 2026 auf durchschnittlich 11.750 US-Dollar pro Tonne.

Schwergewichte unter Verkaufsdruck

Diese Entwicklung schlägt voll auf den Global X Copper Miners ETF durch. Branchenriesen wie Freeport-McMoRan verloren zuletzt deutlich an Boden. Die Aktie, die knapp zehn Prozent des ETF-Gewichts ausmacht, rutschte unter wichtige technische Durchschnittslinien.

Auch andere Schwergewichte büßten massiv ein. Southern Copper verlor zeitweise fast vier Prozent, während Rio Tinto am 8. Juli deutlich nachgab. Teck Resources verzeichnete mit einem Minus von 4,5 Prozent den stärksten Rückgang der Woche.

Zusätzlichen Druck verursachten die neuen Feindseligkeiten im Nahen Osten. An der LME sanken die Kupferpreise daraufhin zeitweise auf 13.210 US-Dollar pro Tonne. Marktbeobachter befürchten, dass geopolitische Spannungen die globale Konjunktur bremsen könnten.

Aluminium wird zur Gefahr

Ein weiteres Problem ist der hohe Preisabstand zu Ersatzstoffen. Das Preisverhältnis von Kupfer zu Aluminium liegt mit 4,3 weit über dem historischen Schnitt von 3,7. Hersteller wie BMW und Ferrari nutzen daher bereits verstärkt Aluminium statt Kupfer.

Dennoch stützen langfristige Trends den Sektor. Die Nachfrage durch den Bau von KI-Rechenzentren bleibt gewaltig. Ein einziges großes Rechenzentrum benötigt laut Schätzungen zwischen 30.000 und 60.000 Tonnen des Metalls.

Der Global X Copper Miners ETF verwaltet derzeit rund 7,7 Milliarden US-Dollar. Nach dem Erreichen des 52-Wochen-Hochs bei fast 100 US-Dollar deutet das aktuelle Umfeld nun auf eine längere Phase der Konsolidierung hin.