Bessere Zahlen, schwächerer Kurs — bei GlobalFoundries passt an diesem Mittwoch die Reaktion nicht zur Nachricht. Der Chip-Auftragsfertiger übertraf im zweiten Quartal sämtliche Konsensschätzungen, dennoch gab die Aktie im vorbörslichen US-Handel rund 5,1 Prozent nach. Der breite Markt bewegte sich zeitgleich klar ins Plus, der Kursrutsch war also hausgemacht.

Die Zahlen im Detail

Der Umsatz kletterte auf 1,786 Milliarden Dollar, ein Plus von etwa 6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und deutlich über der Analystenschätzung von 1,76 Milliarden Dollar. Die bereinigte Bruttomarge stieg auf 29,9 Prozent — ein Sprung von 470 Basispunkten binnen Jahresfrist und über der eigenen Prognosespanne des Unternehmens.

Beim Gewinn je Aktie lieferte GlobalFoundries auf bereinigter Basis 46 Cent, verglichen mit einer Konsensschätzung von 42 Cent. Der Nettogewinn nach IFRS lag bei 167 Millionen Dollar, bereinigt bei 256 Millionen Dollar. CEO Tim Breen sprach von „starken Ergebnissen“ mit „beschleunigter Kundennachfrage“ in der Optical-Networking-Sparte für KI-Rechenzentren.

Warum der Kurs trotzdem fällt

Der klassische Sell-the-News-Effekt greift hier in Reinform. Anleger hatten die Quartalszahlen längst eingepreist und richteten den Blick stattdessen auf die Marge der kommenden Quartale. Das Management peilt bis Ende 2026 rund 30 Prozent bereinigte Bruttomarge an, bis Ende 2028 sogar 40 Prozent — eine Strecke von gut 1.100 Basispunkten ausgehend vom Q1-Niveau. Genau diese Ausführungsrisiken, gepaart mit einem schwachen Smartphone-Markt und der Abhängigkeit von wenigen Großkunden, dämpften die Stimmung vor dem Earnings Call.

Die Aktie notiert weiterhin deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 92,55 Dollar. Morgan Stanley hatte sein Kursziel zuletzt von 65 auf 57 Dollar gesenkt und bei „Hold“ belassen — ein Kontrapunkt zur insgesamt bullishen Analystengemeinde, deren mittleres Kursziel bei knapp 80 Dollar liegt.

Photonik, Quantencomputing und die erste Dividende

Abseits der Kernzahlen baut GlobalFoundries sein Portfolio in Richtung KI-Infrastruktur und Zukunftstechnologien aus. Im Juli unterzeichnete das Unternehmen eine Absichtserklärung mit dem US-Handelsministerium über ein Fördervolumen von 300 Millionen Dollar zur Stärkung der heimischen Silizium-Photonik-Fertigung. Im gleichen Monat schloss GlobalFoundries die Übernahme des IVR-Geschäfts von Photeon Technologies ab, im Juni zuvor bereits die Übernahme der ARC-Prozessor-IP-Sparte von Synopsys.

Im Mai startete das Unternehmen zudem seine Quantum Technology Solutions-Sparte, gestützt auf eine in Aussicht gestellte Förderung von 375 Millionen Dollar. Parallel zahlte GlobalFoundries im Juli seine erste reguläre Quartalsdividende von 0,12 Dollar je Aktie aus; der Vorstand hat bereits eine weitere Ausschüttung in gleicher Höhe für den 9. Oktober beschlossen.

Der nächste Prüfstein folgt mit der Prognose für das dritte Quartal, die im aktuellen Bericht bislang keine Beruhigung brachte. Ob die Margen-Roadmap bis Ende 2026 auf Kurs bleibt, dürfte die Kursrichtung in den kommenden Monaten stärker prägen als jeder einzelne Quartalsbeat.