Ein überraschender Schritt des US-Finanzministeriums hat dem Goldpreis in dieser Woche kräftigen Auftrieb gegeben. Finanzminister Scott Bessent kündigte am Mittwoch an, die Rückkäufe langlaufender US-Staatsanleihen ab dem 9. September bis zum 4. November auf mindestens 4 Milliarden Dollar pro Operation zu verdoppeln – zuvor waren es 2 Milliarden Dollar gewesen.
Bessent selbst deutete an, das Volumen könne noch darüber liegen. Der Goldpreis reagierte mit einem Sprung von rund 4 Prozent und markierte den höchsten Stand seit Juni.
Der aktuelle Kurs von 4.567,90 Dollar je Unze liegt zwar 0,3 Prozent unter dem gestrigen Schlussstand von 4.581,30 Dollar, doch der Blick auf die vergangene Woche zeigt das eigentliche Ausmaß der Bewegung: Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Plus von 3,6 Prozent zu Buche, auf 30 Tage sogar 12 Prozent. Die aktuelle Konsolidierung wirkt damit eher wie eine Verschnaufpause nach der Rekordwoche als wie eine Trendwende.
Warum die Anleihe-Intervention den Goldpreis bewegt
Hintergrund der Maßnahme ist die Lage am Anleihemarkt: Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen hatte zuvor mit rund 5,34 Prozent den höchsten Stand seit Juni 2007 erreicht, nachdem die amerikanische Staatsverschuldung erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten hatte.
Bessent begründete die Rückkäufe damit, dass die Renditen die fundamentalen Bedingungen nicht widerspiegelten und die Liquidität am langen Ende „sehr schlecht“ sei. Nach der Ankündigung fiel die 30-jährige Rendite zunächst auf rund 5,17 bis 5,20 Prozent, während der Dollar auf ein Drei-Monats-Tief absackte – beides klassische Treiber für steigende Goldpreise.
Allerdings zeigte sich der Effekt am heutigen Donnerstag als nicht von Dauer: Die Renditen zogen wieder an, der 30-jährige Satz kletterte laut Berichten der Nachrichtenagentur Reuters wieder auf etwa 5,25 Prozent, der zehnjährige auf 4,708 Prozent.
Investoren zweifeln offenbar daran, dass die Intervention das strukturelle Problem der Staatsverschuldung löst. Analysten des Finanzmagazins Wiwo verwiesen darauf, dass die zusätzlichen 28 Milliarden Dollar Rückkaufvolumen im Vergleich zu den ausstehenden 10 Billionen Dollar langlaufender Anleihen verschwindend gering ausfallen.
Zinsdebatte bremst den Aufwärtsschwung
Gegenläufigen Druck erzeugt die Geldpolitik: Das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung zeigte, dass drei Notenbanker für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte gestimmt hatten, während mehrere weitere Teilnehmer eine straffere Politik befürworteten.
Diese Töne wirken als Gegengewicht zur Gold-Rally, da höhere Zinsen die Attraktivität des zinslosen Edelmetalls schmälern. Laut CME FedWatch preist der Markt dennoch mit rund 67 Prozent Wahrscheinlichkeit eine Zinspause im September ein.
Auf mittlere Sicht bleibt das Bild für Gold konstruktiv: Mit einem Plus von 37 Prozent auf Zwölf-Monats-Sicht und 5,6 Prozent seit Jahresbeginn notiert das Metall weiterhin deutlich über seinem 200-Tage-Durchschnitt von 4.551,68 Dollar.
Analysten von Morgan Stanley rechnen für 2027 mit einem Anstieg über die Marke von 5.000 Dollar je Unze. Die Bank BMO hat ihr Kursziel für die zweite Jahreshälfte hingegen jüngst auf 4.625 Dollar gesenkt – ein Hinweis darauf, dass die Einschätzungen am Markt trotz der jüngsten Rally auseinandergehen.
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