Der Goldpreis gerät zu Wochenbeginn unter Druck. Das Edelmetall notiert bei 4.031,50 US-Dollar je Feinunze und verliert im Tagesverlauf 1,15 Prozent. Damit setzt sich eine Bewegung fort, die bereits am Vortag eingesetzt hatte: Ein Dollar nahe seinem Einmonatshoch sowie die Erwartung einer möglichen Zinserhöhung der US-Notenbank belasten das zinslose Edelmetall.
Fed-Sitzung als kurzfristiger Belastungsfaktor
Im Zentrum der Marktaufmerksamkeit steht die Zinsentscheidung der Federal Reserve, die für Mittwoch ansteht. Laut Daten des CME FedWatch-Tools lag die von Marktteilnehmern eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei rund 36 bis 40 Prozent für diese Sitzung, für September wurde sie mit rund 80 Prozent deutlich höher taxiert – eine Woche zuvor hatte der Wert für die Julisitzung noch bei lediglich 16 Prozent gelegen, wie Reuters berichtete. Auch die Analysten von Citadel Securities rechneten mit einer Zinsanhebung. Parallel dazu rückten das US-Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal sowie der PCE-Inflationsindex in den Fokus der Anleger, die als weitere Hinweise auf den geldpolitischen Kurs der Fed gelten.
Bloomberg wies darauf hin, dass Gold seit Beginn des Konflikts zwischen den USA und dem Iran vor rund fünf Monaten etwa ein Viertel an Wert verloren habe, sich zuletzt aber an der Marke von 4.000 Dollar stabilisiert habe – gestützt durch Käufe bei Kursrückgängen. Zusätzlich verzeichneten Gold-ETFs nach Bloomberg-Angaben fünf Handelstage in Folge Zuflüsse, die längste derartige Serie seit Mai. Das deutet darauf hin, dass institutionelles Kapital trotz der kurzfristigen Schwäche nicht flächendeckend aus dem Edelmetall abzieht.
Chinas Notenbank kauft seit fast anderthalb Jahren durch
Während die Fed-Woche kurzfristig für Nervosität sorgt, zeichnet sich strukturell ein anderes Bild ab. Chinas Goldreserven erreichten Ende Mai 74,96 Millionen Unzen und wuchsen damit den 19. Monat in Folge, nach einem Zuwachs von 320.000 Unzen gegenüber April. Zugleich meldete Business Upturn, dass China im Juni 173 Tonnen Gold importierte – der höchste Wert seit März 2024 und der dritte monatliche Anstieg in Folge, mit einem Gegenwert von rund 23 Milliarden Dollar. Nach Einschätzung des Berichts absorbierte Gold damit etwa ein Fünftel des rekordhohen chinesischen Handelsüberschusses von 125,6 Milliarden Dollar. Als Treiber nannte der Bericht günstigere Preise, einen festeren Yuan sowie den Einsatz von Importquoten durch chinesische Banken.
Der Rohstoffanalyst Willem Middelkoop ordnete diese Entwicklung gegenüber Kitco News als Teil eines umfassenderen „Resets“ ein: China bevorzuge nach seiner Einschätzung bewusst niedrigere Goldpreise, um weiter Bestände aufzubauen, und habe in den vergangenen Monaten mehr als 150 Tonnen erworben. Er verwies zudem darauf, dass Gold nach seinen Angaben inzwischen US-Staatsanleihen als zweitwichtigste globale Reserveanlage abgelöst habe und Ende 2025 rund 27 Prozent der weltweiten Währungsreserven ausmachte. Weltweit kauften Notenbanken den Angaben zufolge zuletzt 863 Tonnen im Jahr 2025, nach zuvor deutlich höheren Werten in den Jahren 2022 bis 2024.
Ausblick: Kurzfristiger Gegenwind, langfristige Nachfrage
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild. Kurzfristig bremsen ein starker Dollar und die Aussicht auf eine straffere US-Geldpolitik den Goldpreis, der aktuell auch unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 4.223,99 Dollar notiert und damit einen Abstand von 4,56 Prozent zu diesem Trendindikator aufweist. Mittelfristig sprechen jedoch die anhaltenden Käufe asiatischer Notenbanken sowie fortgesetzte ETF-Zuflüsse für eine strukturelle Nachfragebasis, die den jüngsten Rücksetzer relativieren dürfte. Wie die US-Notenbank am Mittwoch entscheidet und wie die kommenden US-Konjunkturdaten ausfallen, dürfte in den nächsten Handelstagen der entscheidende Kurstreiber bleiben.
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