Institutionelle Investoren trauen sich wieder an Gold heran. Die jüngste Fondsmanager-Umfrage der Bank of America zeigt: Das Edelmetall gilt erstmals seit März 2023 wieder als unterbewertet. Noch zu Jahresbeginn hielt die Mehrheit der Profis den Goldpreis für zu hoch.
Profis sehen Unterbewertung
Die Bank of America hat 181 Fondsmanager befragt. Sie verwalten zusammen rund 484 Milliarden US-Dollar. Ein Netto-Anteil von fünf Prozent stuft Gold aktuell als unterbewertet ein – die optimistischste Einschätzung seit gut drei Jahren.
Der Stimmungswechsel folgt auf eine harte Korrektur. Vom Rekordhoch Ende Januar aus rutschte der Preis in der Spitze deutlich ab. Aktuell liegt der Abstand zum Hoch noch bei rund 26 Prozent.
Zuletzt drehte der Trend. Am Mittwoch schloss die Feinunze bei 4.159,80 US-Dollar, ein Plus von 1,91 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht sogar ein Zuwachs von 4,51 Prozent zu Buche.
Geopolitische Spannungen stützen die Notierungen
Die Erholung bekommt Rückenwind aus dem Nahen Osten. US-Streitkräfte griffen erneut iranische Militärziele an. Die jemenitischen Huthi-Rebellen drohen zudem Öltankern im Roten Meer.
Der iranische Außenminister Abbas Araghchi warnte vor Vergeltung. Sollte der Iran weitere Angriffe auf seine Infrastruktur erleben, kündigte er Konsequenzen an.
Die Nachfrage nach dem sicheren Hafen Gold bleibt robust. Das gilt selbst dann, wenn parallel die Ölpreise steigen. Normalerweise bremst ein Ölpreisanstieg über höhere Zinserwartungen den Goldpreis – diesmal überwiegt offenbar die Sorge vor einer weiteren Eskalation.
Zinsängste bremsen das Aufwärtspotenzial
Die steigenden Energiepreise haben aber eine Kehrseite. Sie schüren Inflationssorgen. Das nährt wiederum die Erwartung, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen länger hoch hält oder sogar erhöht.
Höhere Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten für das zinslose Gold. Zwei große Investmentbanken haben ihre Kursziele deshalb bereits gesenkt.
Goldman Sachs kappte am 19. Juni sein Jahresend-Kursziel von 5.400 auf 4.900 US-Dollar je Feinunze. Die Analysten verweisen auf die verschobenen Zinssenkungserwartungen der Fed. Langfristig bleiben sie aber strukturell positiv gestimmt.
J.P. Morgan senkte Anfang Juli seine Prognose für das vierte Quartal um rund ein Viertel. Statt 6.000 US-Dollar erwartet die Bank nun im Schnitt 4.500 US-Dollar je Feinunze.
Für das dritte Quartal rechnet das Institut mit durchschnittlich 4.300 US-Dollar. Als Grund nennt es eine schwächere physische Nachfrage sowie die hohe Zinssensitivität des Preises.
Charttechnik: Die Marke bei 4.100 Dollar entscheidet
Charttechnisch kämpft Gold um eine nachhaltige Etablierung oberhalb von 4.100 US-Dollar. Bleibt der Preis über dieser Marke, öffnet sich der Weg zu den nächsten Widerständen.
Fällt der Verkaufsdruck zurück, bleibt die Zone um 4.000 US-Dollar die entscheidende Unterstützung. Diese Marke hatte der Preis erst kürzlich getestet, bevor die aktuelle Erholung einsetzte.
Für die kommenden Wochen bleibt der Goldpreis zwischen zwei Kräften gefangen: der fundamentalen Rückendeckung durch die BofA-Umfrage und der Zinsvorsicht von Goldman Sachs und J.P. Morgan. Hält sich der Preis über 4.100 US-Dollar, dürfte die aktuelle Erholung anhalten. Rutscht er unter die 4.000-Dollar-Marke, droht ein erneuter Test der Jahrestiefs.
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