Gold notiert am Freitag bei 4.671,20 US-Dollar je Feinunze und legt damit 2,1 Prozent zum Vortag zu. Auslöser ist die Ankündigung von US-Finanzminister Scott Bessent, die Rückkäufe von US-Staatsanleihen massiv auszuweiten. Das Ziel: die Renditen drücken. Die Folge: ein schwächerer Dollar und mehr Nachfrage nach dem zinslosen Edelmetall.
Damit setzt sich eine Bewegung fort, die längst vor der jüngsten Ankündigung begonnen hat. Bereits am Mittwoch hatte das US-Finanzministerium die Ausweitung der Anleihe-Rückkäufe in Aussicht gestellt, woraufhin Renditen und Dollar-Index nachgaben. Am Donnerstag kreuzte Gold bei 4.534,79 Dollar die technisch wichtige 200-Tage-Linie nach oben – ein Signal, das charttechnisch orientierte Anleger als Bestätigung des Aufwärtstrends werten dürften.
Vertrauensverlust in den Dollar als Treiber
Commerzbank-Rohstoffexperte Carsten Fritsch sieht hinter der Rally mehr als nur eine kurzfristige Reaktion. Er konstatiert ein erodierendes Vertrauen in den US-Dollar als sicheren Hafen, da Investoren für Staatsanleihen höhere Renditen fordern.
Zugleich verweist er auf kräftige Zuflüsse in goldhinterlegte Wertpapiere. Diese Gemengelage – schwindendes Vertrauen in traditionelle Reserveanlagen bei gleichzeitig steigender physischer und börsengehandelter Nachfrage – bildet das strukturelle Fundament der aktuellen Bewegung.
Untermauert wird dieser Trend durch die Zentralbanken selbst. Der World Gold Council meldete für das zweite Quartal 2026 Nettozukäufe von 288,9 Tonnen, ein Anstieg von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und ein neuer Quartalsrekord.
Auch die Bank of Korea reihte sich Medienberichten zufolge ein: Erstmals seit 13 Jahren erwarb die südkoreanische Notenbank wieder Positionen in Gold-ETFs. Solche offiziellen Käufe gelten als besonders stabiler Nachfragefaktor, da Zentralbanken selten kurzfristig verkaufen.
Optionshändler setzen auf die 5.000-Dollar-Marke
Am Terminmarkt spiegelt sich der Optimismus in konkreten Wetten. Nach einem Kursgewinn von acht Prozent seit Monatsbeginn setzen Optionshändler verstärkt auf weitere Preissteigerungen in Richtung der 5.000-Dollar-Marke.
Ein Zwischencheck der jährlichen Analystenumfrage der London Bullion Market Association ergab zuletzt eine durchschnittliche Jahresendprognose von 4.500 Dollar je Unze, wobei die optimistischste Schätzung bei 5.100 Dollar liegt – ein Niveau, das angesichts der aktuellen Notierung bereits in Reichweite erscheint.
Fundamentale Unterstützung liefern zudem die jüngsten US-Konjunkturdaten. Die Verbraucherpreise für Juli stiegen um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während die Erzeugerpreise unverändert blieben – ein Signal abkühlender Inflation, das die Markterwartung einer Zinserhöhung im September auf rund 31 Prozent senkte. Niedrigere Zinserwartungen mindern die Opportunitätskosten des Goldbesitzes und stützen damit zusätzlich den Preis.
Ausblick: Zwei Termine im September entscheidend
Für die kommenden Wochen richten sich die Blicke auf zwei Termine: die Veröffentlichung der US-Verbraucherpreise für August am 10. September sowie die Zinsentscheidung der US-Notenbank am 15. und 16. September.
Beide Ereignisse dürften maßgeblich darüber entscheiden, ob die Rally in Richtung der psychologisch wichtigen 5.000-Dollar-Marke weitergeht oder ob es zu einer Konsolidierung kommt. Angesichts der Kombination aus schwächelndem Dollar, robuster Zentralbanknachfrage und spekulativem Rückenwind am Terminmarkt bleibt das fundamentale Bild für Gold vorerst intakt.
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