Gold verliert vor der US-Zinsentscheidung an Boden. Notenbanken weltweit kaufen dennoch weiter kräftig zu. Der Kursrückgang der vergangenen Tage zeigt vor allem eines: Ein starker Dollar bestimmt gerade mehr über den Goldpreis als die physische Nachfrage.

Am Dienstag kostet eine Feinunze 4.042,90 Dollar. Das sind 0,88 Prozent weniger als der Schlusskurs vom Montag bei 4.078,60 Dollar. Auslöser ist ein fester Dollar, der das in der US-Währung gehandelte Edelmetall für Käufer außerhalb der USA verteuert.

Fed-Sitzung sorgt für Nervosität

Die US-Notenbank tagt seit Montag zwei Tage lang. Die Entscheidung folgt am Mittwochabend. Laut CME-FedWatch-Tool rechnen aktuell 62 Prozent der Marktteilnehmer mit unveränderten Zinsen. 38 Prozent erwarten eine Anhebung um mindestens 25 Basispunkte.

Diese Einschätzung hat sich stark verschoben. Noch vergangene Woche lag die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung bei nur 25,77 Prozent. Jetzt sind es 35,8 Prozent – ein deutlicher Sprung binnen weniger Tage.

Besonderes Gewicht bekommt die Kommunikation von Fed-Chef Kevin Warsh. Volkswirte erwarten am Mittwoch keine klaren Signale von ihm. Warsh lehnt eine vorbestimmte Geldpolitik grundsätzlich ab. Für die Sitzung im September zeichnet sich am Markt bereits eine Zinserhöhung ab. Das würde den Goldpreis zusätzlich belasten, denn das Edelmetall wirft selbst keine Zinsen ab.

Der geldpolitische Rahmen bleibt seit Monaten stabil. Das Zielband für die Fed Funds Rate liegt seit Dezember 2025 bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Der FOMC hat seitdem viermal in Folge stillgehalten, zuletzt am 17. Juni unter dem neuen Vorsitzenden Warsh.

Bemerkenswerter als der Beschluss selbst waren die begleitenden Projektionen. Erstmals seit Beginn des Lockerungszyklus signalisierte der Median der Notenbanker eher eine Erhöhung als eine Senkung. Neun der 18 Teilnehmer sahen bis Jahresende mindestens einen Zinsschritt nach oben.

Nahost-Konflikt bleibt ein Unsicherheitsfaktor

Neben der Geldpolitik belastet die Lage im Nahen Osten die Stimmung. US-Präsident Donald Trump sprach am Montag von „guten Gesprächen“ mit dem Iran und einer Chance auf ein Abkommen. Er warnte zugleich, dass die USA ihre Angriffe bei einem Scheitern der Verhandlungen wieder aufnehmen würden.

Die Lage bleibt fragil. Saudi-Arabien, Jordanien und der Irak meldeten am Montag Drohnenangriffe – Teheran testet offenbar die Pause der US-Militäroperation. Trotz dieser Unsicherheit fand Gold zuletzt keine klare Richtung. Die zuletzt gesunkenen Ölpreise dämpften die Inflationssorgen, gaben dem Goldpreis aber keinen Auftrieb.

Notenbanken kaufen, Anleger verkaufen

Losgelöst von der kurzfristigen Zinsdebatte bleibt die physische Nachfrage robust. Notenbanken kauften im ersten Quartal 2026 netto rund 244 Tonnen Gold. Das war das stärkste Quartal seit über einem Jahr und lag über dem Fünfjahresdurchschnitt.

Die chinesische Zentralbank hat ihre Kaufserie mittlerweile auf 19 aufeinanderfolgende Monate ausgedehnt. Diese Käufer folgen eigenen Motiven. Sie handeln nicht nach FedWatch-Wahrscheinlichkeiten, sondern nach der Diversifizierung ihrer Reserven.

Bei den ETFs zeigt sich das Gegenteil: Zuletzt kam es zu Nettoabflüssen. Der westliche Finanzinvestor verkauft aktuell, die Notenbank kauft.

Der Blick auf die Jahresbilanz zeigt, wie stark die Zinserwartungen den Kurs geprägt haben. Seit dem Rekordhoch bei 5.626,80 Dollar im Januar liegt Gold aktuell 28,15 Prozent darunter. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 6,69 Prozent zu Buche.

Für die kommenden Handelstage dürfte vor allem die Reaktion auf die Fed-Pressekonferenz am Mittwochabend die Richtung vorgeben. Bestätigt Warsh die Erwartung einer Zinserhöhung im September, dürfte der Druck auf Gold anhalten.