Gold hat am Donnerstag ein Dreimonatshoch erreicht. Auslöser ist nicht die Geldpolitik der Fed, sondern eine Entscheidung des US-Finanzministeriums: Es verdoppelt die Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen und greift damit direkt in den Anleihemarkt ein.

Finanzministerium verdoppelt Anleihe-Rückkäufe

US-Finanzminister Bessent hat das Rückkaufvolumen für Anleihen mit Laufzeiten von 10 bis 30 Jahren von bisher 2 auf mindestens 4 Milliarden US-Dollar pro Operation angehoben.

Die Maßnahme greift vom 9. September bis zum 4. November, die nächsten Rückkäufe sind für den 10. und 24. September terminiert. Damit reagiert das Ministerium auf die 30-jährige Rendite, die zuvor auf ein 19-Jahres-Hoch von 5,337 Prozent geklettert war – den höchsten Stand seit 2007. Nach der Ankündigung fiel sie auf rund 5,184 Prozent, die 10-jährige Rendite gab auf 4,637 Prozent nach.

Der Eingriff ist bereits die zweite Intervention Bessents in diesem Monat. Hintergrund ist die Schuldenlast der USA: Die Staatsverschuldung hat erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten, ein Plus von 2,9 Billionen Dollar binnen eines Jahres. Das Handelsblatt kommentierte, die USA verlören damit ihren Sonderstatus bei der Schuldenaufnahme und Bessent werde zum Getriebenen der eigenen Staatsverschuldung.

Dollar fällt, Gold springt

Die sinkenden Renditen und ein schwächelnder Dollar trieben Anleger in den vergangenen Tagen in Gold. Der Dollar-Index rutschte auf ein Dreimonatstief von 98,938, der Euro stieg parallel auf 1,1676 Dollar – den höchsten Stand seit Ende Mai.

Am Mittwoch sprang die Feinunze um 3,57 Prozent auf 4.489 Dollar, nachdem sie zeitweise sogar über 4.500 Dollar notiert hatte. Am heutigen Donnerstag pendelte der Kurs volatil: Spot-Gold lag zwischenzeitlich bei rund 4.517 Dollar, fiel im asiatischen Handel aber auch auf 4.489 Dollar zurück, ein Minus von 0,7 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss.

Das Fed-Protokoll dämpfte die Rally zusätzlich: Es signalisiert, dass eine weitere Zinserhöhung möglich bleibt, sollte die Inflation nicht zurückgehen. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September wird derzeit auf 32,7 Prozent taxiert. Dennoch reagierte Gold auf die restriktiven Töne kaum – ein Zeichen dafür, dass die Schuldenproblematik und die Dollarschwäche derzeit stärker wirken als Zinssignale.

Analysten sehen Weg Richtung 5.000 Dollar

JPMorgan hat sein ursprüngliches Kursziel für das vierte Quartal von 6.000 auf 4.500 Dollar gesenkt – eine Marke, die der Goldpreis bereits erreicht hat. Goldman Sachs reduzierte sein Jahresziel auf 4.900 Dollar.

UBS bleibt optimistischer und rechnet bis zur ersten Jahreshälfte 2027 mit einem Anstieg auf 5.000 Dollar, getrieben von Zentralbankkäufen, geopolitischen Spannungen und anhaltender Inflation. Das würde gegenüber dem aktuellen Niveau einen Anstieg um knapp 30 Prozent bedeuten.

Charttechnisch gilt Gold nach Einschätzungen aus dem technischen Handel derzeit als überkauft, eine Korrektur wird für möglich gehalten. Als Widerstandszone gelten 4.520 bis 4.535 Dollar, darüber liegt das nächste Ziel bei 4.580 bis 4.600 Dollar.

Auf der Unterseite gilt der Bereich um 4.470 bis 4.480 Dollar als erste Unterstützung, darunter folgen stärkere Haltezonen bei 4.430 und 4.390 Dollar. Bank of America und J.P. Morgan zeigten sich zuletzt alarmiert über die Schuldendynamik der USA und empfahlen Gold explizit als Absicherung gegen mögliche Krisenszenarien.