Gold hat die entscheidende Hürde genommen. Das Edelmetall durchbricht die Marke von 4.300 US-Dollar und steigt am Freitag um 1,95 Prozent auf 4.383,40 US-Dollar pro Feinunze. Damit rückt der nächste Test in den Fokus: der US-Arbeitsmarktbericht um 14:30 Uhr deutscher Zeit.

Arbeitsmarktdaten als Zins-Test

Das US-Arbeitsministerium veröffentlicht heute die Nonfarm Payrolls für Juli. Ökonomen erwarten einen Stellenzuwachs von 83.000 bis 85.000 Jobs außerhalb der Landwirtschaft. Die Arbeitslosenquote soll stabil bei rund 4,2 Prozent bleiben, das Lohnwachstum wird auf Jahressicht mit 3,5 Prozent taxiert.

Diese Zahlen gelten als Wegweiser für die Zinsentscheidung der US-Notenbank im September. Das FedWatch-Tool der CME signalisiert aktuell eine Wahrscheinlichkeit von etwa 55 Prozent für eine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Fällt der Bericht schwächer aus als erwartet, dürften diese Erwartungen sinken. Das würde dem zinslosen Gold zusätzlichen Rückenwind geben.

Kommen die Zahlen dagegen deutlich stärker als prognostiziert, drohen Gewinnmitnahmen. Nach dem Sprung der vergangenen Tage wäre ein kurzfristiger Rücksetzer keine Überraschung.

Hormus-Diplomatie dämpft Inflationssorgen

Parallel zur Gold-Rally bewegt sich auch die geopolitische Lage im Nahen Osten. Berichte über eine mögliche Übergangslösung zur Öffnung der Straße von Hormus zwischen den USA, dem Iran und Oman haben die Ölpreise zuletzt belastet. Brent-Rohöl notiert wieder deutlich unter 80 US-Dollar pro Barrel.

Die Entspannung an den Energiemärkten drückt die Inflationserwartungen. Für Gold ergibt sich daraus ein gemischtes Bild. Der Status als sicherer Hafen verliert durch die diplomatische Annäherung etwas an Bedeutung. Gleichzeitig profitiert das Metall von der Aussicht auf eine weniger restriktive Geldpolitik, weil der inflationsgetriebene Zinsdruck nachlässt.

Ausbruch bestätigt, Dollar liefert Rückenwind

Der aktuelle Sprung bestätigt eine Bewegung, die sich bereits Mittwoch andeutete. Damals brach Gold aus einer mehrtägigen Konsolidierungszone aus. Mit dem heutigen Anstieg liegt der Kurs nun rund 3,35 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 4.535,45 US-Dollar — dort verläuft die nächste Orientierungsmarke für die laufende Rallye.

Unterstützung kommt vom US-Dollar. Der Dollar-Index bewegt sich mit rund 99,8 Punkten nahe einem Sechswochentief. Da Gold weltweit überwiegend in US-Dollar gehandelt wird, macht ein schwächerer Dollar das Metall für Käufer aus anderen Währungsräumen günstiger. Das stützt die physische Nachfrage von Zentralbanken und institutionellen Investoren.

Der Nachmittag entscheidet, ob der Ausbruch über 4.300 Dollar Bestand hat. Ein schwacher Arbeitsmarktbericht könnte den Weg zum 200-Tage-Durchschnitt bei 4.535 US-Dollar öffnen. Fallen die Zahlen stark aus, steht der gerade eroberte Bereich um 4.300 Dollar erneut auf dem Prüfstand.