Der Goldpreis ist am heutigen Freitag auf 4.530 Dollar je Feinunze gestiegen, nachdem das US-Finanzministerium eine Verdopplung seines Anleihe-Rückkaufprogramms angekündigt hat.

Mit der Maßnahme will Washington die Renditen am langen Ende der Zinskurve unter Kontrolle bringen, nachdem die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen am Donnerstag auf den höchsten Stand seit 2007 geklettert war. Der Dollar gab im Zuge der Ankündigung nach und stützte damit zusätzlich das Edelmetall.

Zentralbanken kaufen so viel wie nie zuvor

Der Treasury-Eingriff trifft auf einen Markt, der ohnehin von struktureller Nachfrage getragen wird. Zentralbanken weltweit kauften im zweiten Quartal netto 288,9 Tonnen Gold – ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und der höchste je vom World Gold Council gemessene Wert für ein zweites Quartal.

Polen erwarb dabei 51 Tonnen und treibt damit sein selbst gestecktes Ziel von 700 Tonnen Reserven voran. China kaufte 33 Tonnen, den größten Quartalszukauf seit Ende 2023, und akkumuliert laut Bloomberg mittlerweile seit 21 Monaten in Folge Gold.

Auch Südkorea richtet sich neu aus: Die Bank of Korea kündigte am 5. August an, künftig verstärkt über Gold-ETFs zuzukaufen und bereitet den ersten physischen Zukauf seit 13 Jahren vor, verbunden mit einer Diversifizierung der bislang stark auf London konzentrierten Lagerorte.

Gegenläufig bewegt sich die Türkei, die ihre Bestände zu Jahresbeginn um 8,1 Tonnen reduzierte, um die eigene Währung zu stützen – ein Hinweis darauf, dass die Käuferseite trotz des Rekordquartals nicht einheitlich agiert.

Ein Wermutstropfen für die Bullen-These: Die Zahlen für das erste Quartal wurden nachträglich massiv nach unten korrigiert, von 244 auf nur noch 57 Tonnen. Damit fällt die gesamte Nachfrage im ersten Halbjahr mit 345 Tonnen auf den schwächsten Wert seit 2022 – ein Beleg dafür, dass die Dynamik stark auf das zweite Quartal konzentriert war.

Angebotsseite bleibt knapp

Während die Nachfrage schwankt, bleibt das Angebot strukturell begrenzt. Die Zahl bedeutender Neuentdeckungen ist deutlich zurückgegangen: Seit 2020 wurden nach Angaben von S&P Global nur fünf größere Lagerstätten mit zusammen 17 Millionen Unzen gefunden.

Auf Produzentenseite gibt es Lichtblicke: Malis industrielle Goldförderung stieg im ersten Halbjahr um rund 30 Prozent auf 23,5 Tonnen und übertraf damit die Regierungsprognose deutlich.

B2Gold erhielt am 7. August die Abbaulizenz für sein Menankoto-Projekt in Mali, das ab 2028 mehr als 150.000 Unzen jährlich liefern soll – gleichzeitig senkte der Konzern seine Prognose für den bestehenden Fekola-Komplex leicht.

Geopolitik als zusätzlicher Preistreiber

Zur monetären Nachfrage kommt geopolitische Unsicherheit hinzu. Die USA bereiten laut Berichten vom Donnerstag umfassende neue Sanktionen gegen Iran vor, was auch die Ölpreise anzog. Zugleich hatte eine mögliche Einigung zur Straße von Hormuz Anfang August für Hoffnung gesorgt, ohne dass sich die Lage seither grundlegend entspannt hätte.

Strukturell wirkt weiterhin die Erfahrung der eingefrorenen russischen Zentralbankreserven von 2022 nach, die viele Notenbanken dazu bewegt hat, physisches Gold als jurisdiktionsfreies Reserveinstrument stärker zu gewichten.

Für die kommenden Wochen richtet sich der Blick auf den Jobs Report am 4. September und das FOMC-Treffen der Fed am 15. und 16. September – beide Termine dürften mitentscheiden, ob der Treasury-getriebene Schub Bestand hat.