Gold hat am Freitag ein mehr als dreimonatiges Hoch erreicht und damit seine Rallye der vergangenen Wochen fortgesetzt. Auslöser war eine Ankündigung der US-Treasury, Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen auszuweiten. Der Dollar geriet daraufhin unter Druck, wovon das Edelmetall unmittelbar profitierte, wie Reuters berichtete.
Spotgold überschritt am Freitag erstmals seit Mitte Mai wieder die Marke von 4.600 US-Dollar je Feinunze und notierte zeitweise bei 4.631,99 Dollar. US-Goldfutures schlossen bei 4.680,60 Dollar. Der Schlusskurs lag bei 4.661,60 Dollar, ein Plus von 1,9 Prozent zum Vortag.
Zinsfantasie statt Inflationssorgen
Die jüngste Bewegung folgt einem Muster, das den Goldmarkt seit Wochen prägt: Sinkende Erwartungen an die realen Langfristzinsen wiegen schwerer als anhaltende Inflationsrisiken.
Bereits am Mittwoch hatte Gold um 3,6 Prozent auf 4.487,91 Dollar zugelegt, nachdem die US-Treasury eine überraschende Liquiditätsstützung angekündigt und damit sowohl Renditen als auch den Dollar gedrückt hatte. Am Donnerstag stabilisierte sich der Preis bei 4.516,19 Dollar, bevor am Freitag der nächste Schub folgte.
Die Deutsche Börse ordnete die Entwicklung ähnlich ein: Schwache US-Konjunkturdaten in Kombination mit der Ankündigung des Finanzministeriums hätten den Goldpreis auf neue Wochenhochs getrieben. Auf Xetra-Gold zeigte sich die Bewegung parallel – der Preis stieg im Wochenverlauf von 120,20 Euro auf 124,40 Euro pro Gramm und eröffnete am Freitag bei 123,60 Euro.
Von der Schwäche zur Stärke
Der aktuelle Anstieg reiht sich in eine Serie ein, die bis Mitte August zurückreicht. Am 18. August war Gold noch auf 4.364,90 Dollar gefallen, weil US-Treasury-Renditen Mehrjahreshochs erreichten und steigende Energiepreise die Inflationssorgen anheizten.
Nur einen Tag später kehrte sich das Bild bereits um, als die Ankündigung der Liquiditätsstützung die Stimmung drehte. Diese Achterbahnfahrt zeigt, wie sensibel der Markt derzeit auf geldpolitische und fiskalische Signale reagiert – deutlich stärker als auf klassische Safe-Haven-Nachfrage allein.
Mit einem Zwölf-Monats-Plus von 40 Prozent bewegt sich Gold weiterhin in einem außergewöhnlich starken Aufwärtstrend, wenngleich der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 5.586,20 Dollar noch 17 Prozent beträgt. Das zeigt: Trotz der jüngsten Sprünge ist der Markt von seinen Höchstständen aus dem Januar noch ein gutes Stück entfernt.
Blick auf die Treiber
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex. Auf der einen Seite drückt die aggressive Anleihepolitik der US-Treasury die Realzinsen und macht zinsloses Gold attraktiver.
Auf der anderen Seite bergen anhaltend hohe Energiepreise und die Möglichkeit erneuter Renditeanstiege das Risiko schneller Korrekturen, wie der Rücksetzer vom 18. August gezeigt hat. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die Treasury ihre expansive Linie fortsetzt und damit dem Goldpreis weiteren Rückenwind verschafft.
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