Ein überraschender Schachzug des US-Finanzministeriums schickt Gold auf Rekordkurs. Washington kauft künftig deutlich mehr eigene Anleihen zurück, um steigende Zinskosten zu bremsen. Die Folge: Dollar und Renditen geraten unter Druck, Anleger flüchten ins Edelmetall.

Der Auslöser: Ein Eingriff mit Nebenwirkungen

Das US-Finanzministerium hat seine Rückkäufe von Anleihen und Notes für das kommende Quartal mindestens verdoppelt. Ziel ist es, die Renditen im langfristigen Bereich einzudämmen. Der Markt reagierte sofort.

Gold sprang am Mittwoch um mehr als 4 Prozent. Am Freitag markierte der Goldpreis bei 4.671,20 Dollar je Unze ein neues Hoch und legte binnen sieben Tagen um 5,4 Prozent zu. Selbst als die Anleiherenditen einen Teil ihrer Talfahrt wieder aufholten, hielt Gold die Gewinne. Marktteilnehmer bezweifeln offenbar, dass die Maßnahme mehr als eine kurzfristige Lösung ist.

Finanzminister Scott Bessent deutete bereits weitere Rückkäufe an. Die Regierung bereitet demnach zusätzliche Schritte vor, um die gestiegenen Finanzierungskosten in den Griff zu bekommen. Genau das nährt Zweifel daran, wie nachhaltig Washington seine eigenen Kreditkosten steuern kann. Für Gold als Wertspeicher ist das ein Kaufargument.

Gegenwind von der Ölseite

Nicht alle Kräfte am Markt ziehen in dieselbe Richtung. Steigende Ölpreise halten den Inflationsdruck hoch und dämpfen die Erwartungen auf baldige Zinssenkungen. Das könnte Golds Rally bremsen.

Die verschärfte US-Kampagne gegen den Iran schwächt zudem die Hoffnung auf eine rasche Wiederöffnung der Straße von Hormus. Das stützt die Energiepreise zusätzlich – und mit ihnen den Inflationsdruck, der eigentlich gegen Gold sprechen sollte. Bislang hat sich dieser Effekt gegenüber dem Debasement-Trade aber nicht durchgesetzt.

Dritte Gewinnwoche in Folge

Gold steuert auf die dritte wöchentliche Gewinnserie zu. Anleger weichen angesichts erhöhter Volatilität an Devisen- und Anleihemärkten verstärkt in sichere Häfen aus. Mit einem RSI von 70,9 nähert sich das Edelmetall dabei einer überkauften Zone.

Neben der fiskalpolitischen Unsicherheit trägt auch die physische Nachfrage die Rally. Robuste Investitionsnachfrage und anhaltende Zentralbankkäufe – allen voran aus China – stützen den Preis strukturell.

Für die kommenden Handelstage dürfte entscheidend sein, ob das Finanzministerium seine angekündigten Zusatzmaßnahmen tatsächlich konkretisiert. Ebenso wichtig: wie die Anleihemärkte auf die veränderte Angebotsstruktur bei US-Staatsschulden reagieren. Die Wechselwirkung zwischen Dollarschwäche, Renditeentwicklung und Ölpreis bleibt der zentrale Taktgeber für Golds weiteren Kurs.