Gold notiert am Montag bei 4.735,00 Dollar je Feinunze, ein Plus von 1,6 Prozent zum Vortag. Damit setzt das Edelmetall seine Rekordjagd fort, getrieben von einer Entscheidung des US-Finanzministeriums, die an den Anleihemärkten für Aufsehen sorgt.
Finanzministerium greift zu ungewöhnlichem Mittel
Finanzminister Bessent könnte laut Bloomberg fast eine Billion Dollar aus dem sogenannten Treasury General Account nutzen, um Rückkäufe langfristiger US-Staatsanleihen zu finanzieren. Das Rückkaufvolumen wird ab dem 9. September verdoppelt auf mindestens 4 Milliarden Dollar pro Operation, betroffen sind Laufzeiten zwischen 10 und 30 Jahren.
Bessent selbst spricht von einem „Treasury Twist“. Ziel der Maßnahme ist es, die Renditen am langen Ende zu drücken – bislang allerdings mit überschaubarem Erfolg, wie der Guardian berichtet: Die Rendite zehnjähriger Anleihen kletterte in der vergangenen Woche um vier Basispunkte auf 4,74 Prozent.
Für Anleger ist die Botschaft eindeutig: Ein Finanzministerium, das derart massiv in den Anleihemarkt eingreifen muss, signalisiert Nervosität über die Tragfähigkeit der US-Schuldenlast von mittlerweile über 40 Billionen Dollar. Genau diese Sorge drückt zugleich auf den Dollar, der nahe einem Dreimonatstief notiert – und macht Gold als Absicherung attraktiver.
Nachfrage von privater und öffentlicher Seite
Die Kombination aus Dollar-Schwäche und Zinssorgen zeigt sich auch in konkreten Kapitalflüssen. Gold-ETFs verzeichneten in der vergangenen Woche Zuflüsse von 28 Tonnen, den höchsten Wert seit Januar.
Auf der geldpolitischen Seite verschärft sich die Lage zusätzlich: Notenbanken kauften im zweiten Quartal 289 Tonnen Gold, für das laufende Jahr rechnen Analysten mit einer Gesamtmenge zwischen 750 und 1.000 Tonnen. UBS bezifferte ihr Kursziel jüngst auf 5.000 Dollar bis zur ersten Jahreshälfte 2027 und empfiehlt Anlegern einen Goldanteil im mittleren einstelligen Prozentbereich des Portfolios.
Geopolitisch kommt Rückenwind aus dem Nahen Osten hinzu: Finanzminister Bessent kündigte an, die USA träten in die „Endphase“ des Konflikts mit dem Iran ein und plane einen „wirtschaftlichen D-Day“ mit den „härtesten Sanktionen der Geschichte“. Der Iran droht im Gegenzug mit einer Blockade der Straße von Hormus – ein Szenario, das zusätzliche Unsicherheit in die Märkte trägt und die Nachfrage nach sicheren Häfen stützt.
Charttechnik zeigt Überhitzung
Der Blick auf die Indikatoren mahnt allerdings zur Vorsicht. Mit einem RSI von 73 gilt Gold als überkauft, und der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 4.208,30 Dollar beträgt bereits 13 Prozent.
Ein Analyst des Handelsblatt sprach von einer „gesunden“ Konsolidierung, die dem Markt nach dem starken Anstieg seit Mittwoch guttäte. Zum bisherigen Rekordhoch von 5.586,20 Dollar aus dem Januar fehlen dem Edelmetall trotz der jüngsten Rally noch 15 Prozent.
Die Blicke der Anleger richten sich nun auf das Jackson-Hole-Symposium der US-Notenbank ab Donnerstag. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh hält am Freitag seine erste Grundsatzrede in dieser Funktion, während zuvor am Mittwoch die PCE-Inflationsdaten für Juli erwartet werden. Beide Ereignisse dürften mitentscheiden, ob die Dollar-Schwäche anhält – und damit, ob Gold seinen Aufwärtstrend fortsetzen kann.
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