Zentralbanken weltweit kaufen Gold wie seit Jahrzehnten nicht. Gleichzeitig drückt die US-Notenbank den Preis. Dieser Widerspruch prägte die vergangene Handelswoche — und er erklärt, warum Gold trotz starker Fundamentaldaten auf dem Rückzug ist.
Fed setzt Gold unter Druck
Gold schloss den Freitag bei 4.172,90 US-Dollar je Feinunze — ein Minus von 1,31 Prozent. Es war der dritte Wochenverlust in Folge. Seit Jahresanfang steht ein Minus von knapp vier Prozent zu Buche.
Der Auslöser ist klar: Die Federal Reserve unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh hielt den Leitzins zwar in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Sie schraubte aber ihre Zinserwartungen für das Jahresende nach oben. Die US-Inflation lag im Mai bei 4,2 Prozent — zu hartnäckig für eine Kehrtwende. Gold als zinslose Anlage verliert in diesem Umfeld an Attraktivität. Hinzu kommt ein starker Dollar, der das Edelmetall für Käufer außerhalb des Dollarraums teurer macht.
Zentralbanken kaufen so viel wie nie
Auf der anderen Seite steht eine strukturelle Nachfrage, die kaum zu übersehen ist. Laut dem aktuellen „Central Bank Gold Reserves Survey 2026″ des World Gold Council wollen 45 Prozent der befragten Zentralbanken ihre Goldreserven in den nächsten zwölf Monaten erhöhen. Das ist der höchste jemals in dieser Umfrage gemessene Wert. Neun von zehn Institutionen erwarten, dass die globalen Zentralbankbestände weiter steigen.
Diese Nachfrage hat bereits Spuren hinterlassen. Laut Berichten der Europäischen Zentralbank hielt Gold Ende 2025 erstmals seit den 1990er-Jahren einen größeren Anteil an den weltweiten Reserven als US-Staatsanleihen: 27 Prozent gegenüber 22 Prozent. Vor allem Schwellenländer treiben diese Verschiebung voran. Sie wollen ihre Abhängigkeit vom Dollar reduzieren — und greifen zu physischem Gold, das sich Sanktionen entzieht.
Wo die nächste Entscheidung fällt
Der RSI liegt bei 35,4 — das Edelmetall nähert sich überverkauftem Terrain. Technisch rückt die Marke von 4.098 US-Dollar in den Blick, die bereits im März als Unterstützung hielt. Bricht Gold darunter, öffnet sich Spielraum bis rund 3.887 US-Dollar — knapp über dem 52-Wochen-Tief von 3.901 US-Dollar.
Neue US-Konjunkturdaten zum Verbrauchervertrauen und zur Inflation kommen in der kommenden Woche. Zeigen sie eine Abkühlung, könnte der Zinsdruck nachlassen. Parallel baut Singapur bis Ende 2026 ein eigenes Clearing-System für physisches Gold auf — ein Schritt, der die Preisbildung in den asiatischen Handelsstunden langfristig verändern dürfte.
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