Starke Nachfrage, schwache Kurse. Beim Gold klaffen Realität und Stimmung derzeit weit auseinander. Das Edelmetall verzeichnete am Freitag den dritten Wochenverlust in Folge und schloss bei 4.172,90 US-Dollar. Parallel dazu signalisieren die weltweiten Zentralbanken eine historische Kaufbereitschaft.

Zinsdruck und starker Dollar

Ein starker US-Dollar und die straffere Geldpolitik belasten die Notierungen schwer. Auf Monatssicht hat Gold knapp acht Prozent an Wert verloren. Der Grund liegt in der US-Notenbank. Die Federal Reserve ließ die Zinsen zuletzt unverändert. Sie signalisierte aber eine deutlich restriktivere Haltung für die Zukunft.

Neun der 19 Fed-Mitglieder rechnen noch in diesem Jahr mit einer Zinserhöhung. Der Markt preist eine Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent für einen Zinsschritt bis September ein. Das trifft das zinslose Edelmetall direkt. Steigende Zinsen machen festverzinsliche Anlagen attraktiver. Ein starker Dollar verteuert Gold außerdem für Käufer außerhalb der USA.

Zentralbanken stützen den Markt

Dem kurzfristigen Preisdruck steht ein massives strukturelles Fundament gegenüber. Eine aktuelle Umfrage des World Gold Council unter 76 Zentralbanken liefert ein klares Bild. 45 Prozent der Institute wollen ihre Goldreserven auf Jahressicht aufstocken. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2018.

Fast drei Viertel der Befragten erwarten einen sinkenden Anteil des US-Dollars an den weltweiten Währungsreserven. Das Ziel: Absicherung durch physisches Gold. In den vergangenen vier Jahren erwarben Zentralbanken durchschnittlich rund 1.000 Tonnen Gold pro Jahr. Zuvor lag dieser Schnitt bei lediglich 500 Tonnen.

Charttechnik und Analysten-Ziele

Charttechnisch ist das Bild deutlich eingetrübt. Gold notiert fast 26 Prozent unter seinem Allzeithoch vom Januar. Der Kurs ist unter die wichtige 200-Tage-Linie gerutscht. Mit einem RSI-Wert von 35,4 nähert sich das Edelmetall dem überverkauften Bereich. Die Marke von 4.000 Dollar rückt nun in den Fokus.

Die Prognosen der Großbanken spiegeln diese Unsicherheit wider. Citi senkte das kurzfristige Kursziel auf 4.000 Dollar. Die Analysten verweisen auf stabilisierende Realrenditen und nachlassende Safe-Haven-Prämien.

J.P. Morgan bleibt dagegen extrem optimistisch. Die Bank hält einen Anstieg auf 6.000 Dollar bis Jahresende für möglich. Im kommenden Jahr sehen die Experten den Preis sogar bei 6.300 Dollar.

Die nächste Richtungsentscheidung fällt am kommenden Donnerstag. Dann veröffentlichen die US-Behörden die PCE-Inflationsdaten für den Monat Mai. Fällt das bevorzugte Inflationsmaß der Fed höher aus als erwartet, dürfte der Zinsdruck auf Gold weiter zunehmen. Ein Rückgang der Teuerung könnte den Kurs hingegen stützen.