Der Goldpreis schloss am Mittwoch bei 4.043,60 US-Dollar je Unze. Das liegt 28,14 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 Dollar aus Ende Januar. Allein in den vergangenen 30 Tagen verlor das Edelmetall 5,60 Prozent, der RSI von 38,4 deutet auf eine überverkaufte Lage hin.

Während der Kurs also schwächelt, kaufen Zentralbanken so aggressiv wie nie zuvor. Genau dieser Widerspruch prägt den Goldmarkt gerade.

Zentralbanken kaufen wie nie zuvor

Der World Gold Council hat seine jährliche Zentralbank-Umfrage veröffentlicht. 45 Prozent der befragten Institutionen wollen ihre Goldbestände in den kommenden zwölf Monaten weiter aufstocken. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebung.

Die Motive haben sich verschoben. Früher ging es vor allem um Diversifikation. Heute wollen viele Notenbanken ihre Reserven stabilisieren und sich gegen eine Entwertung von Papierwährungen absichern. Viele Institutionen streben außerdem eine geringere Abhängigkeit vom US-Dollar an.

China treibt diese Strategie exemplarisch voran. Die Volksbank kaufte im Juni weitere 15 Tonnen Gold. Es ist bereits der 20. Monat in Folge mit steigenden Reserven.

In der ersten Jahreshälfte kamen knapp 40 Tonnen hinzu. Die Gesamtbestände liegen jetzt bei rund 2.346 Tonnen. Bemerkenswert: China kaufte auch dann weiter, als der Goldpreis unter die Marke von 4.000 Dollar fiel – ein Hinweis auf eine bewusste Strategie, Rücksetzer zum Nachkauf zu nutzen.

Auch andere Notenbanken bauten ihre Bestände aus. Usbekistan kaufte im Juni neun Tonnen, Polen im Mai 18 Tonnen. Insgesamt beliefen sich die Nettokäufe aller Zentralbanken im ersten Quartal 2026 auf rund 244 Tonnen.

Kurzfristige Bremsen: Zinsen und Geopolitik

Trotz der starken strukturellen Nachfrage schwankte der Goldpreis zuletzt deutlich. Das Ende der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran belastete die Stimmung. Hinzu kamen Berichte über Angriffe auf LNG-Tanker in der Straße von Hormus.

Beide Ereignisse trieben die Ölpreise nach oben und schürten Inflationssorgen. Anleger rechneten wieder mit weiteren Zinsanhebungen großer Notenbanken. Das schadet Gold, weil das Metall selbst keine Zinsen abwirft.

Schwache US-Konjunkturdaten sorgten dann für Entspannung. Der Arbeitsmarktbericht für Juni blieb deutlich hinter den Prognosen zurück. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Fed im September fiel von 66 auf 50 Prozent.

Das senkte die Opportunitätskosten fürs Halten von physischem Gold und stützte kurzzeitig den Kurs. Am 7. Juli erholte sich der Preis, bevor er einen Tag später wieder nachgab.

Ausblick: Unterstützung bei 3.760 Dollar

Der World Gold Council rechnet für den weiteren Verlauf des Jahres 2026 mit einer Seitwärtsbewegung. Grundlage sind moderates Wachstum, sinkende Inflation und eine nur begrenzte geldpolitische Straffung.

Fällt der Preis um mehr als 10 Prozent, erwartet der Council verstärkte Schnäppchenkäufe. Das markiert eine strukturelle Unterstützung bei etwa 3.760 US-Dollar.

Zum Vergleich: Das 52-Wochen-Tief liegt bei 3.901,30 Dollar, der aktuelle Abstand dazu beträgt nur 3,65 Prozent. In einem optimistischen Szenario sieht der WGC sogar Potenzial bis 4.500 oder sogar 5.000 Dollar je Unze.

Die Zentralbanken liefern damit das strukturelle Fundament, das kurzfristige Verkäufe bislang abgefedert hat. Fällt der Kurs auf die vom WGC markierte Marke bei 3.760 Dollar, dürfte laut Umfrage neues Kaufinteresse aus den Notenbanken einsetzen.