Ein festerer Dollar und erhöhte US-Anleiherenditen setzen Gold unter Druck. Reuters berichtete gestern, dass Anleger zugleich auf Hinweise zum weiteren Zinspfad der Federal Reserve warteten. Damit steht kurzfristig die Geldpolitik im Vordergrund. Die anhaltenden Goldkäufe der chinesischen Zentralbank bilden einen Gegenpol, beseitigen den Zinsdruck aber nicht.

Dollar und Öl senden unterschiedliche Signale

Die Belastung kommt derzeit von mehreren Seiten. Reuters zufolge stützen anhaltende Inflationssorgen durch hohe Ölpreise die Erwartung einer restriktiven US-Geldpolitik. Zusammen mit dem stärkeren Dollar erschwert das eine nachhaltige Erholung des Goldpreises.

Gleichzeitig gibt es Entlastung beim Öl. Hoffnungen auf diplomatische Gespräche mit Iran dämpften gestern laut Reuters den Ölpreis und minderten damit einen Teil des Inflations- und Zinsdrucks. Der Dollar legte jedoch zugleich zu. Für Gold ergibt sich daraus kein einheitlicher Impuls: Entspannung bei einem Belastungsfaktor bedeutet nicht automatisch Entspannung bei den anderen.

Trotz dieses Gegenwinds schloss Gold gestern bei 4.063,65 USD je Feinunze. Das Tagesplus von 1,2% zeigt eine Erholung, liefert für sich genommen aber keinen Beleg dafür, dass die geldpolitischen Belastungen überwunden sind.

Chinas Käufe stützen die Nachfrageseite

Auf der physischen Nachfrageseite bleiben Zentralbankkäufe ein wichtiger Gegenpol. Der World Gold Council berichtete am 20. Oktober, dass die chinesische Zentralbank für September einen Goldzukauf von 23 Tonnen gemeldet hatte. Im dritten Quartal beliefen sich die Käufe demnach auf 63 Tonnen.

Diese Nachfrage steht neben den kurzfristigen Einflüssen von Dollar, Renditen und Öl. Sie erklärt, weshalb sich das Marktbild nicht allein auf die US-Zinserwartungen reduzieren lässt. Eine Garantie gegen weitere Preisrückgänge lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.

Indien liefert ein differenzierteres Bild. Nach Angaben des World Gold Council vom 20. Oktober sanken die Goldimporte im September auf 1,8 Milliarden US-Dollar. Das geschätzte Bruttoimportvolumen lag bei rund 20 Tonnen.

Als mögliche Ursache nannte der Council eine höhere Verfügbarkeit inländischen Angebots, darunter recyceltes Altgold. Die geringeren Einfuhren lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres mit einer entsprechend schwächeren Gesamtnachfrage gleichsetzen.

Zinssignale entscheiden über die nächste Richtung

Heute stehen der Zinsentscheid der Federal Reserve und die anschließende Pressekonferenz an. Reuters berichtete am Montag, dass die Marktteilnehmer überwiegend unveränderte Leitzinsen erwarteten. Entscheidend sind damit auch die Hinweise auf den weiteren geldpolitischen Kurs.

Der nächste angekündigte Prüfstein folgt am 29.10.2026 mit dem US-PCE-Preisindex für September. Er gilt als bevorzugtes Inflationsmaß der Fed. Für Gold richtet sich der Blick damit auf die Frage, ob nachlassender Inflationsdruck die Zinsbelastung mildern kann. Bis dahin stehen der physischen Nachfrage weiterhin ein stärkerer Dollar und erhöhte Renditen gegenüber.