Der Goldpreis gerät am Tag der mit Spannung erwarteten Zinsentscheidung der US-Notenbank weiter unter Druck. Am Dienstag schloss die Feinunze bei 4.042,90 US-Dollar, ein Minus von 0,88 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 2,23 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn liegt das Edelmetall mit 6,69 Prozent im Minus. Zum 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 Dollar, erreicht am 29. Januar, klafft mittlerweile eine Lücke von 28,15 Prozent.

Starker Dollar und Zinsentscheid belasten

Auslöser der jüngsten Schwäche ist ein robuster US-Dollar, der nahe seinem Monatshoch notiert und Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums verteuert. Hinzu kommt die Erwartung der heutigen Fed-Entscheidung: Ökonomen rechnen mit der fünften Zinspause in Folge bei einem Leitzins von 3,5 bis 3,75 Prozent, nachdem die Inflation im Juni auf 3,5 Prozent gesunken war. Fed-Chef Kevin Warsh hatte zuletzt betont, es gebe „keine Toleranz für anhaltend hohe Inflation“ – eine Formulierung, die Marktteilnehmer als Hinweis auf mögliche weitere Straffungen werten. Nach Einschätzungen aus dem Terminmarkt gilt eine Zinserhöhung im September inzwischen als wahrscheinlicher als noch vor wenigen Wochen, was die Attraktivität des zinslosen Goldes zusätzlich schmälert. Auch die geopolitische Lage bleibt ambivalent: Eine mehrtägige Feuerpause bei den US-Angriffen auf den Iran dämpfte zwischenzeitlich die Nachfrage nach dem sicheren Hafen, während Berichte über iranischen Raketenbeschuss auf US-Streitkräfte kurzzeitig für neue Nervosität sorgten.

Gold notiert derzeit 4,29 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 4.224,22 Dollar – ein Zeichen dafür, dass sich der kurzfristige Trend eingetrübt hat, während der Abstand zum 52-Wochen-Tief vom 28. Oktober mit 3,63 Prozent gering bleibt. Das Edelmetall bewegt sich damit in einer engen Zone zwischen jüngstem Tief und mittelfristigem Widerstand.

Commerzbank kappt Jahresendprognose

Die Kurskorrektur bleibt nicht ohne Folgen für die Preisziele der Analysehäuser. Die Commerzbank senkte ihre Jahresendprognose für Gold von 4.800 auf 4.500 US-Dollar. Auch JPMorgan, Deutsche Bank und UBS reduzierten kurzfristige Kursziele, hielten aber an einer langfristig bullischen Einschätzung fest. Philip Hopf, Analyst bei HKCM, rechnet angesichts der laufenden Korrektur mit einer weiterhin hohen Cashquote im Portfolio und schließt eine stärkere Gegenbewegung nach unten nicht aus – langfristig bleibe seine Einschätzung für Gold jedoch positiv, gestützt durch geopolitische Risiken und hohe Staatsverschuldung.

Zentralbanken bleiben Käufer – China holt auf

Trotz der Preisschwäche bleibt die strukturelle Nachfrageseite intakt. Zentralbanken kaufen nach Einschätzung von Marktbeobachtern weiterhin rund 1.000 Tonnen Gold pro Jahr. Besonders China treibt seine Reserven voran: Nach Schätzungen von BMO Capital Markets hält die Volksrepublik inzwischen etwa 30.000 Tonnen Gold, umgerechnet 13 Prozent der weltweiten Bestände, während die USA auf rund 15 Prozent kommen. Die chinesische Zentralbank selbst weist etwa 5.200 Tonnen aus und kaufte im vergangenen Monat 15 Tonnen hinzu – der größte monatliche Zukauf seit Oktober 2023. Bei fortgesetztem Tempo könnte China die USA nach dieser Schätzung binnen zwei bis fünf Jahren überholen. Parallel baut das Land seine Handelsinfrastruktur aus, um die Preisbildung für Gold stärker nach Osten zu verlagern – ein langfristiger Faktor, der die kurzfristige Zinsdebatte um die heutige Fed-Entscheidung überdauern dürfte.