Seit Kriegsbeginn Ende Februar 2026 haben viele Anleger auf das klassische Reflexmuster gesetzt: Eskalation bedeutet Gold. Die Realität lief in die entgegengesetzte Richtung. Der Goldpreis ist seit dem US-Einmarsch im Iran um mehr als 19 Prozent gefallen — von über 5.200 Dollar auf zuletzt rund 4.342 Dollar je Feinunze.
Das ist kein Zufall, und es ist auch kein historischer Ausreißer.
Was die Daten seit 1968 zeigen
Der Geopolitical Risk Index (GPR), entwickelt von Ökonomen der Federal Reserve auf Basis führender Tageszeitungen, erreichte im März 2026 den stärksten Monatsanstieg der gesamten 2020er-Jahre — ein Plus von 144 Prozent gegenüber dem Vormonat. Geopolitische Risiken waren also eindeutig und messbar vorhanden.
Trotzdem: Eine verlässliche Korrelation zwischen GPR und Goldpreis lässt sich historisch nicht nachweisen. Wer über rollierende Fünfjahreszeiträume seit 1968 schaut, findet Korrelationskoeffizienten, die zwischen -0,28 und +0,33 schwanken — mal gleichläufig, mal gegenläufig, ohne stabiles Muster. Das gilt ebenso für andere gängige Goldtreiber: Inflation, Dollar-Index und wirtschaftliche Unsicherheitsindizes zeigen über die Zeit dieselbe Instabilität.
Das stellt eines der hartnäckigsten Anlegernarrative infrage. Gold als taktisches Absicherungsinstrument gegen Krisen, Inflation oder Währungsschwäche funktioniert empirisch eben nicht zuverlässig.
Langfrist versus Kurzfrist — ein entscheidender Unterschied
Es gibt durchaus Belege dafür, dass Gold über sehr lange Zeiträume — gemeint sind Jahrhunderte, nicht Jahrzehnte — seine Kaufkraft erhält. Forschungsarbeiten von Campbell Harvey und Claude Erb zeigen genau das. Kurz- und mittelfristig hingegen ist diese Beziehung instabil.
Für Anleger, die Gold als Schutz in der aktuellen Krise gekauft haben, ist das ein relevanter Befund. Kaufkrafterhalt über Generationen ist eine andere Kategorie als Portfolio-Absicherung in einem laufenden Konflikt.
Wohin der Preis jetzt blickt
Indes haben die Nachrichten rund um einen möglichen Friedensschluss dem Gold zuletzt wieder etwas Auftrieb gegeben. Nach Trumps Ankündigung eines Waffenstillstandsabkommens mit dem Iran tendiert der Preis leicht nach oben — die Unterzeichnung in der Schweiz ist für Freitag geplant.
Parallel richtet sich der Blick auf die Fed. Die erste Zinssitzung unter dem neuen Notenbankchef Kevin Warsh brachte erwartungsgemäß keine Leitzinsänderung — der Satz verbleibt bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Für Gold bleibt das Zinsumfeld der eigentliche Schlüssel: Solange die Zinsen hoch bleiben, haben nicht-verzinste Edelmetalle strukturellen Gegenwind. Eine Entspannung im Iran-Konflikt — und damit sinkender Öldruck auf die Inflation — könnte den Weg für Zinssenkungen freimachen. Genau das wäre der Katalysator, den der Goldpreis für eine nachhaltige Erholung Richtung früherer Hochs braucht.
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