Der Goldpreis steht unter Druck — und das gleich von mehreren Seiten. Die Deutsche Bank hat ihre Kursziele massiv gesenkt, die US-Notenbank signalisiert weitere Straffung, und charttechnisch bröckelt das Fundament. Am Dienstag verliert das Edelmetall rund 1,8 Prozent auf 4.135 US-Dollar je Feinunze.
Deutsche Bank kappt Prognose um 22 Prozent
Der Auslöser des heutigen Drucks: Die Deutsche Bank korrigierte ihr Kursziel für das dritte Quartal 2026 auf 4.300 US-Dollar — ein Minus von rund 22 Prozent gegenüber der vorherigen Schätzung. Für Jahresende 2026 erwartet die Bank nun 4.800 US-Dollar. Beide Ziele liegen zwar noch über dem aktuellen Niveau, doch die Richtung des Signals ist eindeutig.
Hintergrund ist die wachsende Sensibilität der Märkte gegenüber der US-Geldpolitik. Notenbankchef Kevin Warsh positioniert sich klar restriktiv. Eine Zinserhöhung bereits im September gilt an den Märkten inzwischen als realistisches Szenario. Höhere Zinsen belasten Gold, weil das Metall keine laufenden Erträge abwirft.
Dollar stark, Geopolitik entspannt
Der US-Dollar-Index kletterte auf über 101 Punkte — den höchsten Stand seit mehr als 14 Monaten. Das macht Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums teurer und drosselt die physische Nachfrage. Zentralbanken wie China kaufen weiterhin: allein im Mai rund 163 Tonnen. Das reicht jedoch nicht, um den Abgabedruck im Investmentbereich aufzufangen.
Hinzu kommt eine geopolitische Entspannung. Berichte über ein Interimsabkommen zwischen den USA und dem Iran zur Sicherung der Straße von Hormuz haben die Risikoprämie gedrückt. Ein Teil des Sicherheitsaufschlags, der Gold zuletzt stützte, fällt damit weg.
Charttechnik sendet Warnsignal
Das technische Bild ist angespannt. Gold notiert unterhalb der gleitenden Durchschnitte der letzten 25, 50, 100 und 200 Tage — der 50-Tage-Schnitt liegt aktuell bei 4.527 US-Dollar, rund 9 Prozent über dem aktuellen Kurs. Marktbeobachter warnen vor einem „Death Cross“: Die 50-Tage-Linie steht kurz davor, die 200-Tage-Linie nach unten zu durchbrechen. Dieses Muster gilt als Fortsetzungssignal für Abwärtsbewegungen. Der RSI liegt bei 34,9 — knapp oberhalb der klassischen Überverkauft-Schwelle.
Hält die Unterstützungszone zwischen 4.020 und 4.050 US-Dollar nicht, könnte sich die Korrektur beschleunigen. Erst ein nachhaltiger Ausbruch über 4.300 US-Dollar würde das Bild wieder aufhellen.
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