Der Goldpreis hat seine jüngste Schwächephase überwunden und notiert am Donnerstag bei 4.427,06 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von 0,9 Prozent zum Vortag.

Treiber der Erholung sind schwache US-Arbeitsmarktdaten: Der ADP-Bericht für August wies mit rund 38.000 neuen Stellen ein deutliches Unterschreiten der Erwartungen aus und drückte den Dollar. Gleichzeitig sorgt der eskalierende Konflikt zwischen den USA und dem Iran für zusätzliche Nachfrage nach dem Edelmetall als sicherem Hafen.

Geopolitische Spannungen treiben die Nachfrage

Die Lage im Nahen Osten bleibt angespannt. Iran griff nach Angaben von CNBC am Donnerstag Kuwait mit Raketen und Drohnen an, zusätzlich zu bereits laufenden Angriffen auf US-Stützpunkte in Jordanien und Bahrain. Präsident Trump erklärte laut CNBC, die erneuten Feindseligkeiten würden „nicht zu lange“ dauern, kündigte aber zugleich die Bereitschaft zu weiteren Operationen an.

Die Situation belastet parallel die Anleihemärkte: Zehnjährige Bundesanleihen erreichten laut wallstreet-online.de ein 15-Jahres-Hoch von 3,35 Prozent, während die Eurozone-Inflation im August auf 3,3 Prozent kletterte. Vor diesem Hintergrund gewinnt Gold als Absicherung gegen politische und monetäre Risiken an Attraktivität.

Für die kommende Woche richtet sich der Blick der Anleger auf den US-Arbeitsmarktbericht, der am Freitag veröffentlicht wird und weitere Hinweise zur Zinspolitik der Federal Reserve liefern dürfte.

Niederländische Notenbank zieht Gold aus Nordamerika ab

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt ein strategischer Schritt der niederländischen Zentralbank DNB. Zwischen März und August verlagerte sie rund 86 Tonnen Gold von New York und Ottawa nach London.

Die Behörde begründet den Schritt laut eigenen Angaben mit „zunehmender geopolitischer Unruhe“ und dem Ziel verbesserter Krisenvorsorge, wie unter anderem der Guardian und CNBC berichten. Nach der Umschichtung liegt der Anteil in New York und Ottawa nur noch bei 18,5 Prozent, während London auf 32,1 Prozent und das Lager in Zeist auf 30,8 Prozent kommen.

Die Gesamtreserven der Niederlande belaufen sich auf 612,4 Tonnen im Wert von 72,2 Milliarden Euro zum Jahresende 2025. Nach Angaben des australischen Portals odt.co.nz sollen 59 Tonnen in New York veräußert und lediglich 27 Tonnen physisch transportiert worden sein. Der Schritt wird von mehreren Medien mit Sorgen über die Verlässlichkeit der US-Regierung unter Trump in Verbindung gebracht.

Analysten bleiben optimistisch für den Jahresverlauf

Trotz der Volatilität der vergangenen Wochen bleibt die Stimmung unter großen Häusern bullisch. Goldman Sachs Research rechnet mit einem Goldpreis von 4.900 US-Dollar je Feinunze bis Ende 2026, gestützt auf anhaltende Zentralbankkäufe und eine erwartete Zinspause der Fed.

Die Bank verweist auf durchschnittliche Käufe von 50 Tonnen pro Monat im laufenden Jahr, mit einem Spitzenwert von 100 Tonnen im Juni – angeführt von der chinesischen Notenbank als größtem Käufer.

RBC Capital Markets geht noch weiter und sieht für 2026 ein Hochszenario von 4.929 US-Dollar, für 2027 sogar 5.296 US-Dollar je Unze. UniCredit hat seine Jahresendprognose auf eine Spanne von 4.400 bis 5.200 US-Dollar angehoben und verweist ebenfalls auf Zentralbankkäufe sowie ETF-Zuflüsse.

Mit einem Zwölf-Monats-Plus von 24 Prozent bleibt Gold trotz eines Rückgangs von 21 Prozent gegenüber dem im Januar erreichten 52-Wochen-Hoch von 5.598,58 US-Dollar in einem robusten Aufwärtstrend. Der bevorstehende US-Arbeitsmarktbericht dürfte kurzfristig über die Richtung entscheiden, während die geopolitische Lage und die Notenbank-Käufe die strukturelle Nachfrage stützen.