Der Goldpreis hat am Mittwoch ein Dreimonatshoch über 4.700 US-Dollar je Feinunze markiert. Auslöser war eine Entscheidung aus Washington: Finanzminister Scott Bessent kündigte an, die Rückkäufe von US-Staatsanleihen am langen Ende der Zinskurve zu verdoppeln, auf mindestens 4 Milliarden Dollar pro Operation. Die Maßnahme drückte die US-Renditen und machte das zinslose Edelmetall für Anleger wieder attraktiver.
Zum Handelsschluss am Mittwoch notierte Gold bei 4.597,78 Dollar, ein Minus von 1,3 Prozent gegenüber dem Vortag. Der Rücksetzer relativiert sich jedoch im größeren Bild: Auf Sicht von 30 Tagen steht weiterhin ein Plus von 14 Prozent, getragen von der Aussicht auf niedrigere Realzinsen.
Zentralbanken und ETF-Anleger ziehen mit
Die fundamentale Nachfrage bleibt außergewöhnlich breit abgestützt. Der World Gold Council meldete für Juli Nettozuflüsse in physisch besicherte Gold-ETFs von 3 Milliarden Dollar, womit die weltweiten Bestände nach zwei schwächeren Monaten wieder auf 4.068 Tonnen kletterten.
In der vergangenen Woche verzeichneten goldgedeckte ETFs sogar Zuflüsse von 6,4 Milliarden Dollar beziehungsweise 46,7 Tonnen – der stärkste wöchentliche Zuwachs seit zehn Monaten.
Parallel dazu bleiben die Notenbanken auf der Käuferseite aktiv. Im zweiten Quartal erwarben sie laut World Gold Council 288,9 Tonnen Gold, ein Anstieg von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Angeführt wurde der Kauftrend von der Nationalbank Polens mit 51 Tonnen und China mit 33 Tonnen. Diese strukturelle Nachfrage aus dem offiziellen Sektor gilt als einer der wichtigsten Preistreiber des laufenden Zyklus, da sie unabhängig von kurzfristigen Zinserwartungen wirkt.
Geopolitik und Inflation liefern zusätzlichen Rückenwind
Zu den geldpolitischen Impulsen kommen geopolitische Spannungen hinzu. Erneute Kampfhandlungen zwischen den USA und dem Iran im Nahen Osten verstärken die Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen. Der Machtkampf um die Straße von Hormus stützt zudem die Ölpreise und erzeugt Inflationsdruck, was Gold als Absicherung gegen Kaufkraftverlust zusätzlich attraktiv macht.
Auch für die Produzenten zahlt sich die Rally aus: Der World Gold Council stellte in seinem Bericht zum ersten Quartal fest, dass die Margen der Goldminenbetreiber wegen der Rekordpreise deutlich schneller gestiegen sind als ihre operativen Kosten.
Jackson Hole im Fokus
Für die kommenden Tage richtet sich die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer auf das Jackson Hole Symposium, wo der neue Notenbankchef Kevin Warsh seine erste Grundsatzrede halten soll. Angesichts einer Kern-PCE-Inflation von 3,3 Prozent erwarten Investoren dort Signale zur künftigen Zinspolitik der Federal Reserve.
Fällt die Rede zurückhaltend zur Inflation und offen für weitere Zinssenkungen aus, dürfte dies dem Goldpreis zusätzlichen Auftrieb geben – ein hawkisher Ton könnte den jüngsten Höhenflug hingegen vorerst bremsen.
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