Die Notenbanken der Welt haben eine historische Grenze überschritten. Erstmals seit Jahrzehnten halten sie mehr Gold als amerikanische Staatsanleihen. Die Europäische Zentralbank macht diesen Machtwechsel nun offiziell. Das Edelmetall profitiert massiv von geopolitischen Rissen.

In ihrem aktuellen Bericht liefert die EZB klare Zahlen. Ende 2025 bestand gut 27 Prozent aller weltweiten Reserveaktiva aus Gold. Ein Jahr zuvor lag der Wert noch bei 20 Prozent.

Der Anteil der US-Staatsanleihen sank indes von 25 auf 22 Prozent. Damit überholt das Edelmetall die amerikanischen Papiere nach Marktwert. Ein solches Kräfteverhältnis gab es zuletzt im Jahr 1996.

Der Goldpreis stieg am Montag auf 4.364 US-Dollar. Auf Sicht von 30 Tagen steht jedoch ein Minus von rund vier Prozent auf der Tafel. Der Kurs liegt damit spürbar unter seinem Rekordhoch vom Januar.

Die Zentralbanken lassen sich davon nicht beirren. Anfang des Jahres kauften sie netto 244 Tonnen Gold. Das markiert das stärkste Quartalsergebnis seit über einem Jahr. Goldman Sachs rechnet künftig mit monatlichen Käufen von durchschnittlich 60 Tonnen.

Geopolitik verdrängt den Dollar

EZB-Präsidentin Christine Lagarde benennt das Motiv deutlich. Geopolitische Spannungen treiben die starke Nachfrage an. Als Beschleuniger wirkt das Jahr 2022. Damals fror Washington russische Dollarreserven ein.

Kein Wunder. Viele Staaten suchen seitdem nach Alternativen ohne US-Gegenparteirisiko. Besonders China, Indien, Polen und die Türkei stocken ihre Bestände massiv auf.

Weltweit horten die Notenbanken inzwischen mehr als 36.000 Tonnen Gold. Das entspricht fast dem Niveau des alten Bretton-Woods-Systems. Damals war der Dollar noch fest an das Edelmetall gekoppelt.

Grenzen des Goldrauschs

Das Bild hat allerdings Risse. Als der Iran-Konflikt eskalierte, verkaufte die Türkei spürbar Reserven. Staaten machen ihr Gold bei finanziellem Druck also durchaus zu Geld.

Hinzu kommen strukturelle Hürden. Das Edelmetall wirft keine Zinsen ab und verursacht hohe Lagerkosten. Fällt der Goldpreis, schrumpft automatisch sein prozentualer Anteil an den Weltreserven.

Die geopolitische Diversifizierung der Staaten stützt den Kurs zwar fundamental. Ein großer Teil dieses Strukturwandels ist bei Kursen über 4.300 US-Dollar jedoch bereits eingepreist.