Der Goldpreis gibt am heutigen Freitag leicht nach, nachdem das Edelmetall am Donnerstag noch kräftig zugelegt hatte. Auf Wochensicht bleibt der Trend intakt, und auch für den Monat Juli zeichnet sich nach mehreren rückläufigen Monaten wieder ein klares Plus ab. Am Donnerstag war Gold um 1,03 Prozent auf 4.168,70 US-Dollar je Unze gestiegen – getrieben von einem schwächeren Dollar und milderen Inflationsdaten aus den USA.
Fed sorgt für Nervosität am Zinsmarkt
Der eigentliche Auslöser der jüngsten Bewegung liegt bei der US-Notenbank. Die Fed beließ den Leitzins am Mittwoch bei 3,50 bis 3,75 Prozent, allerdings stimmten drei der zwölf Ausschussmitglieder für eine Erhöhung – ein ungewöhnlich deutliches Signal für eine restriktivere Linie. Fed-Chef Kevin Warsh brachte es auf den Punkt: „Es gibt nur ein Ziel, und das liegt bei 2 Prozent.“ Die Aussage ließ die Markterwartung für eine Zinserhöhung im September auf rund 63 Prozent hochschnellen. Katharine Neiss, Analystin bei PGIM, geht sogar von einer „restriktiveren Ausrichtung“ mit drei aufeinanderfolgenden Zinsschritten ab September aus und bewertete Warshs Pressekonferenz als „schwächer als erwartet“.
Für Gold ist das eine zwiespältige Gemengelage. Steigende Zinserwartungen erhöhen normalerweise die Opportunitätskosten des zinslosen Edelmetalls und belasten den Kurs. Gleichzeitig blieb das US-Wachstum im zweiten Quartal mit 1,5 Prozent hinter der Prognose von 1,8 Prozent zurück, und die Kerninflation nach dem PCE-Index fiel schwächer aus als erwartet. Diese Kombination drückte zunächst den Dollar-Index und trieb den Euro über die Marke von 1,15 US-Dollar – ein Umfeld, das Gold trotz der Zinsdebatte stützte.
Nachfrage: Notenbanken kaufen, Indien bremst
Auch auf der Nachfrageseite bleibt das Bild für Gold grundsätzlich freundlich. Die physische Nachfrage im zweiten Quartal blieb stabil, wobei anhaltende Käufe der Notenbanken Abflüsse aus Gold-ETFs ausgleichen konnten. Gegenläufig wirkt Indien: Höhere Goldzölle befeuern dort den Graumarkt, was die offizielle Nachfragestatistik verzerrt und Anlegern ein uneinheitliches Bild liefert.
Hinzu kommen geopolitische Risikofaktoren, die dem Edelmetall in den vergangenen Tagen zusätzlichen Rückhalt gaben. Ein Drohnenangriff auf Gasschiffe im ägyptischen Damietta hat die Sorgen um die Sicherheit der Schifffahrt durch den Suezkanal verschärft. Solche Eskalationsrisiken im Nahen Osten treiben klassischerweise die Nachfrage nach sicheren Häfen – auch wenn sie zuletzt nicht ausreichten, um den heutigen leichten Rücksetzer zu verhindern.
Charttechnik: Rekordhoch bleibt fern
Trotz der jüngsten Stabilisierung liegt Gold weiterhin deutlich unter seinem Rekordniveau. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch beträgt aktuell 25,91 Prozent – ein Hinweis darauf, dass die Korrektur der vergangenen Monate noch nicht vollständig aufgeholt ist. Der Relative-Stärke-Index von 53,8 signalisiert dabei weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Situation, sondern ein eher neutrales Momentum.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Eine Fed, die im September tatsächlich die Zinsen anheben könnte, würde dem Goldpreis klassischerweise Gegenwind bringen. Gleichzeitig sorgen schwache Konjunkturdaten, ein angeschlagener Dollar und geopolitische Spannungen im Nahen Osten weiterhin für eine gewisse Absicherungsnachfrage. Wie sich diese gegenläufigen Kräfte bis zur nächsten Fed-Sitzung Mitte September austarieren, dürfte über die kurzfristige Richtung des Goldpreises entscheiden.
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