Der Goldpreis gibt weiter nach, doch die langfristigen Prognosen der großen Häuser bleiben optimistisch. Am heutigen Dienstag notiert die Feinunze bei 4.361,88 Dollar, nach einem Schlusskurs von 4.452,18 Dollar am Montag. Auf Wochensicht steht ein Minus von 6,4 Prozent zu Buche. Zugleich bekräftigt Goldman Sachs seine Prognose eines Goldpreises von 4.900 Dollar bis Ende des Jahres – ein deutlicher Kontrast zur aktuellen Kursschwäche.

Zentralbanken kaufen weiter kräftig

Hinter der optimistischen Einschätzung von Goldman Sachs steht vor allem die anhaltend hohe Nachfrage der Notenbanken. Diese kaufen 2026 im Schnitt rund 50 Tonnen Gold pro Monat – vor 2022 lag dieser Wert bei lediglich 17 Tonnen monatlich. Diese strukturelle Nachfrage gilt als wesentlicher Stützpfeiler für den Goldpreis, unabhängig von kurzfristigen Zinserwartungen.

Auch Crescat-Capital-Chef Kevin Smith bleibt bullish, allerdings mit deutlich längerem Zeithorizont: Er nennt ein Kursziel von 20.000 Dollar je Unze bis 2030. Als Begründung führt er das globale Wachstum der Geldmenge M2 von jährlich rund 7 Prozent sowie die anhaltenden Notenbankkäufe von durchschnittlich 1.000 Tonnen pro Jahr in den vergangenen vier Jahren an.

In einem Szenario mit einem Kursrückgang des S&P 500 um 50 Prozent würde laut Smith das Verhältnis von Gold zum Index bei 5,25 liegen – ein Niveau, das rechnerisch auf die 20.000-Dollar-Marke hindeutet.

Minenwerte profitieren von hohen Margen

Trotz der jüngsten Kursdelle bei Gold selbst bewegen sich viele Förderunternehmen mit soliden operativen Zahlen. Newmont erzielte im zweiten Quartal 2026 einen Ausstoß von 1,3 Millionen Unzen bei einem Durchschnittspreis von 4.414 Dollar je Unze und einem freien Cashflow von 2,2 Milliarden Dollar.

Fortuna Mining kam im selben Quartal auf 72.217 Unzen Goldäquivalent, einen freien Cashflow von 85,7 Millionen Dollar und einen Nettocash-Bestand von 435 Millionen Dollar.

Auch kleinere Explorationsgesellschaften rücken in den Fokus der Analysten. Amex Gold weist für sein Perron-Projekt in der Phase-1-Machbarkeitsstudie eine geplante Jahresproduktion von durchschnittlich 147.000 Unzen bei Förderkosten (AISC) von 910 Dollar je Unze aus.

Der Kapitalwert (NPV5) wird mit 1,13 Milliarden kanadischen Dollar und einer internen Verzinsung von 114,6 Prozent beziffert. Tesoro Gold verweist auf sein El-Zorro-Projekt mit einer Ressource von 1,82 Millionen Unzen, dessen Scoping-Studie auf einer Preisannahme von 2.750 Dollar je Unze basiert – deutlich unter dem aktuellen Marktniveau.

Kurzfristig bleibt der Gegenwind bestehen

Auf kurze Sicht dominieren jedoch die geldpolitischen Erwartungen das Geschehen. Steigende Marktzinsen belasten Gold als zinslos gehaltenes Anlagegut, während der Dollar von den Zinserhöhungserwartungen profitiert. Der Kurs bewegt sich damit klar unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 4.539,28 Dollar, was die kurzfristige Schwäche unterstreicht. Zum 52-Wochen-Hoch von 5.598,58 Dollar aus Ende Januar beträgt der Abstand mittlerweile 22 Prozent.

Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Während die kurzfristige Zinsdebatte den Goldpreis belastet, sehen strukturelle Käufer wie Notenbanken und langfristig orientierte Analysten weiterhin erhebliches Aufwärtspotenzial. Die Diskrepanz zwischen der Tagesbewegung und den mittelfristigen Kurszielen namhafter Häuser dürfte die Debatte um die richtige Positionierung in den kommenden Wochen weiter befeuern.