Noch vor wenigen Wochen stand Gold nahe seinem Allzeithoch. Inzwischen notiert die Feinunze rund 27 Prozent darunter — und die größte US-Investmentbank hat gerade ihr Kursziel um 500 Dollar gekappt.

Goldman Sachs senkte die Preisprognose für Gold bis Jahresende 2026 auf 4.900 USD pro Feinunze. Zuvor erwarteten die Analysten noch 5.400 USD. Begründung: Die US-Notenbank bleibt länger restriktiv als gedacht.

Fed-Chef Warsh verschiebt die Zinserwartungen

Unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh hat sich das Bild am Zinsmarkt gewandelt. Neun Mitglieder des Offenmarktausschusses ziehen für 2026 weitere Zinserhöhungen in Betracht. Goldman Sachs verschob die Prognose für erste Zinssenkungen von Ende 2026 auf das zweite Halbjahr 2027.

Das drückt auf Gold. Ein starker Dollar macht das unverzinste Metall für internationale Käufer teurer. Der US-Dollar-Index bewegt sich nahe der 100-Punkte-Marke — ein Niveau, das Verkaufsdruck auf Edelmetalle erzeugt.

Aktuell notiert die Feinunze bei 4.103,70 USD. Das entspricht einem Wochenverlust von 1,66 Prozent und einem Minus von knapp 8 Prozent im laufenden Monat. Der RSI liegt bei 37,3 — technisch überverkauft, aber noch kein klares Kaufsignal.

Zentralbanken kaufen weiter

Langfristig bleibt die Nachfragestruktur intakt. Weltweit halten Zentralbanken über 36.000 Tonnen Gold — der höchste Stand seit 1975. Allein im ersten Quartal 2026 kauften Notenbanken netto 244 Tonnen hinzu.

Auffällig ist die Verschiebung in den Reserveportfolios: Gold macht mittlerweile rund 27 Prozent der offiziellen Währungsreserven aus. US-Staatsanleihen kommen nur noch auf 22 Prozent. Treiber sind Inflationsschutz und die Absicherung gegen Sanktionsrisiken.

JPMorgan bleibt daher deutlich optimistischer als Goldman Sachs — mit einer langfristigen Preisprognose von 6.000 USD je Feinunze.

Entscheidende Woche steht bevor

Technisch hat Gold die 4.000-Dollar-Marke verteidigt. Widerstände liegen zwischen 4.200 und 4.400 USD. Gibt der Kurs erneut nach, liegt die nächste Unterstützung bei rund 3.700 USD.

Am 2. Juli erscheint der US-Arbeitsmarktbericht. Starke Beschäftigungszahlen würden die restriktive Fed-Linie bestätigen und Gold weiter belasten. Hinzu kommen geopolitische Risiken rund um die Straße von Hormus — ein latenter Faktor, der kurzfristig Kapital in sichere Häfen treiben kann. In Südostasien hat sich der physische Markt bereits entkoppelt: Lokale Barrenpreise stiegen, obwohl der Weltmarktpreis korrigierte.