Die großen Wall-Street-Banken kapitulieren. Monatelang jagte beim Goldpreis ein Rekordziel das nächste. Jetzt dreht sich der Wind komplett. Goldman Sachs und die Bank of America kassieren ihre optimistischen Prognosen ein. Das unverzinste Edelmetall verliert massiv an Glanz.
Kursziele schmelzen dahin
Goldman Sachs senkt das Ziel auf 4.900 US-Dollar. Die Bank of America rudert ebenfalls zurück. Sie hält das Erreichen der 6.000-Dollar-Marke im aktuellen Zyklus für unwahrscheinlich. Auch die Deutsche Bank reiht sich ein. Sie taxiert die Unze für Ende 2026 nur noch auf 4.800 Dollar.
Am Markt spiegelt sich dieser Pessimismus deutlich wider. Der Goldpreis fiel zuletzt auf rund 4.050 Dollar. Seit dem Rekordhoch im Januar büßte der Kurs damit satte 28 Prozent ein. Der RSI-Indikator signalisiert mit einem Wert von 33 mittlerweile eine stark überverkaufte Lage.
Zinsangst vertreibt Käufer
Ein wesentlicher Auslöser für den Preisrutsch sind hartnäckige US-Konjunkturdaten. Der PCE-Preisindex für Mai wies eine Kernrate von 3,4 Prozent aus. Diese Zahlen zementieren die restriktive Haltung der US-Notenbank Fed.
Die Folge: steigende Zinserwartungen. Märkte preisen eine weitere Zinserhöhung im September mittlerweile mit bis zu 70 Prozent Wahrscheinlichkeit ein. Fed-Vertreter wie John Williams äußerten sich zuletzt auffällig falkenhaft. Das schadet dem Gold traditionell. Gegenüber festverzinslichen US-Staatsanleihen verliert das Edelmetall schlicht an Attraktivität.
Zentralbanken stützen den Boden
Trotz des Abverkaufs existiert ein starkes Fundament. Staatliche Akteure kaufen weiterhin massiv zu. Die weltweiten Goldreserven der Zentralbanken erreichten jüngst den höchsten Stand seit 1975. Eine Umfrage des World Gold Council zeigt einen klaren Trend. Fast die Hälfte der befragten Institute plant weitere Aufstockungen im kommenden Jahr.
Die Notenbanker suchen Schutz vor Krisen und Sanktionen. Knapp drei Viertel der Befragten erwarten einen Bedeutungsverlust des US-Dollars. Einen leichten Dämpfer lieferte lediglich China. Peking reduzierte seine Netto-Goldimporte über Hongkong im Mai um 38 Prozent.
Abseits des Papiergoldes arbeiten die Förderer profitabel weiter. GoldMining Inc. meldete gerade Barmittel von 185 Millionen Dollar bei völliger Schuldenfreiheit. Parallel dazu lieferte Heliostar Metals starke Bohrergebnisse. Das Projekt Ana Paula zeigte knapp elf Gramm Gold pro Tonne über fast 100 Meter.
Solide Bilanzen und gute Bohrergebnisse puffern die Unternehmen aktuell ab. Fällt der Goldpreis jedoch unter die psychologisch wichtige Marke von 4.000 Dollar, droht auch bei den Minenaktien ein spürbarer Einschnitt.
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